Republik bremst bei Drei-Länder-Schnellbahn im Westen

26. März 2015, 17:15
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S-Bahn-Projekt Feldkirch–Liechtenstein ohne Geld

Vaduz/Bregenz/Wien - Kaum sind die Gemeinderatswahlen in Vorarlberg geschlagen, offenbart sich ein Loch. Das Projekt F.L.A.C.H., der großangelegte Ausbau der Vorarlberger S-Bahn zwischen Feldkirch und Liechtenstein, liegt auf Eis – und mit ihm die Ertüchtigung der ÖBB-Hochleistungsbahn nach Buchs in der Schweiz.

Eigentlich sollte die 13 Kilometer lange Strecke (davon 4,9 Kilometer zwischen Feldkirch und Nendeln zweigleisig) bis 2019 fertig sein. Für Vorarlberg ist der Ausbau ein zentrales verkehrspolitisches Anliegen, mit einem Halbstundentakt will man die Straßen im Großraum Feldkirch vom Pendlerverkehr entlasten.

Offene Fragen bei Finanzierung

Die Kosten von 90 Millionen Euro wollten sich Österreich und Liechtenstein teilen. So hatte zumindest Liechtenstein die Vereinbarung von 2012 verstanden. Bis Februar 2015 sei das auch von keiner Seite infrage gestellt worden, sagt Liechtensteins Infrastrukturministerin Marlis Amann-Marxer (VU). In einer parlamentarischen Anfragebeantwortung an Harald Walser (Grüne) gab Verkehrsminister Alois Stöger (SPÖ) nun jedoch bekannt, dass die Finanzierung nicht geklärt sei. Als Grund wird angegeben, dass die ÖBB-Konzession in Liechtenstein 2017 ausläuft und eine Nachfolgeregelung zu verhandeln sei. Ohne Konzession kein Ausbau, das sei nie ein Geheimnis gewesen.

In Liechtenstein reagiert man hörbar verschnupft. Den geplanten Landtagsbeschluss im Juni wird man verschieben, die für Herbst anvisierte Volksabstimmung wohl auch. In Wien rudert man diesbezüglich zurück. Es habe wohl auf Beamtenebene Übereinstimmung gegeben, aber nichts Schriftliches, schon gar keine Staatsverträge zwischen den drei Ländern, wobei der größte Profiteur Liechtenstein sei. Vereinbart sei deshalb, dass ein internationaler Gutachter engagiert wird, um eine langfristige anteilige Finanzierung zu erarbeiten.

"Die Wichtigkeit sowohl für den Güter- als auch den Personenverkehr steht außer Streit", verkündete Landesrat Johannes Rauch (Grüne) nach einem Gespräch mit Stöger am Donnerstag. (Luise Ungerboeck, Jutta Berger, DER STANDARD, 27.3.2015)

  • Mangels Finanzierung und Linienkonzession wird die Bahn von Feldkirch nach Liechtenstein länger eingleisig bleiben als erhofft.
    foto: presse- und informationsamt vaduz

    Mangels Finanzierung und Linienkonzession wird die Bahn von Feldkirch nach Liechtenstein länger eingleisig bleiben als erhofft.

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