Neue Serie "Altes Geld": Sich die Sätze "um die Ohren hauen"

26. März 2015, 16:40
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David Schalkos "Altes Geld" startet am Freitag online und auf DVD und im Herbst im ORF

Es ist schon ein Witz: Da gibt es eine neue österreichische Serie, die in Sachen Bildsprache neue Maßstäbe setzt – das schändliche Treiben derer von Rauchensteiner ereignet sich vor im Medium ORF noch nicht gesehener farblicher Opulenz, musikalischer Reduziertheit und epischer Entrücktheit –, und alle reden nur über die Figur des trinkenden Wiener Bürgermeisters.

foto: orf / klaus pichler

Das reale Landesoberhaupt hat sich nach Aussage des Regisseurs von "Altes Geld" noch nicht gemeldet. Ebenso wenig die Fellner-Brüder, die sich in zwei manischen Zeitungsmachern erkennen könnten: Sie alle seien doch bloß "fiktive Charaktere", sagt David Schalko. Ihm gehe es um "das Sittenbild einer Landschaft".

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Dieses inszeniert Schalko in acht Folgen als Musikstück mit Klavierkompositionen von Kyrre Kvam. Dazwischen tut sich einiges: Da ist ein Patriarch (Udo Kier), der eine bizarre Jagd um eine gesunde Leber veranstaltet. Da ist seine Ehefrau Liane (Sunnyi Melles), die ein Verhältnis mit dem Stiefsohn (Nicholas Ofczarek) und dem Leibarzt (Cornelius Obonya) hat und mit denen sie die Ermordung des Gatten plant.

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Da sind die Kinder Jana (Nora von Waldstätten) und Jakob (Manuel Rubey), die einander lieber haben, als das Gesetz erlaubt. Da sind besagte Zeitungsmacherkarikaturen (Dominik Warda, Hakon Hirtzenberger) und der Bürgermeister (Herbert Föttinger), der dem Bild seiner verstorbenen Frau zuprostet, später sitzt wahlweise Prostituierte oder Puppe in den Gewändern der Toten. Und dann sind da noch diese Handschuhe aus Menschenhaut.

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Die Grundaufregung vor dem Start (mehr dazu: NS, Inzest, Trinkmeister in "Altes Geld": Schalko-Empörung rollt an) freut John Lüftner, "weil wir viel Geld investieren". Fünf Millionen Euro soll die Serie gekostet haben. Förderungen kamen von Filmfonds, Fernsehfonds und Land Niederösterreich.

Der Beginn der 72-tägigen Dreharbeiten war überschattet vom Tod Gert Voss', der die Rolle des Patriarchen spielen hätte sollen und kurz nach Drehbeginn verstarb. Udo Kier bereute nicht, dass er einsprang: Immerhin habe er seine ersten beiden Filme, "Schamlos" und "Hexen bis aufs Blut gequält", in Wien gedreht. "Mit der Kinokarte bekam man eine Kotztüte", erinnert sich der Schauspieler, der inzwischen in Los Angeles lebt. Die Chance, nach Wien zurückzukehren, ließ er sich nach kurzer Bedenkzeit nicht entgehen.

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foto: orf / klaus pichler

"Die Rolle ist nicht ohne", sagt Nora von Waldstätten über die zwangsgestörte Jana. Vertrauen zum Regisseur helfe: "Dadurch wächst man aus sich heraus." Es gehe einzig und allein darum, "sich die Sätze um die Ohren zu hauen", sagt Rubey.

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Ein Witz mag vielen sein, dass die Serie erst im Herbst im Fernsehen läuft. Wer sie vorher sehen will, muss zahlen: Entweder 14,99 Euro für die DVD-Box oder 19,90 Euro im ORF-eigenen Onlineportal für alle Folgen in der Leih- und 27,90 Euro in der Download-Kaufvariante. Für die Ansicht am Computer oder gar Tablet scheint die Bildgewalt der Serie allerdings eher ungeeignet.

Eine Fortsetzung von "Altes Geld" sei jedenfalls nicht geplant, sagt Schalko. Er suche das Risiko im Neuen. (Doris Priesching, derStandard.at, 27.3.2015)

Interview mit David Schalko am Wochenende im Album.

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