Banker beklagt KeST-Erhöhung

27. März 2015, 07:00
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Die KeST-Erhöhung auf Dividenden zeigt, dass der Regierung der Kapitalmarkt "nicht sehr am Herzen liegt", sagt Dieter Hengl

Wien – "Die konjunkturelle Entwicklung in Österreich ist noch immer im Winterschlaf", sagt Dieter Hengl, Mitglied des Vorstands der UniCredit Bank Austria und zuständig für das Corporate & Investment Banking. Auch das Investitionsklima sei nicht freundlich, weswegen die wirtschaftliche Entwicklung einfach nicht vom Fleck komme.

Von der Politik würde Hengl daher Signale erwarten, damit Anleger und Investoren hierzulande wieder aktiv würden. Solange Anleger aber als Heuschrecken und Spekulanten betitelt würden und der Aktienkauf nicht als Sachwertbeteiligung anerkannt würde, sei hier wohl noch ein langer Weg zu gehen. Denn am Ende des Tages fehle es an Kapital und an den Rahmenbedingungen, dieses von internationalen Investoren auch ins Land zu holen. Dass die Kapitalertragsteuer für Dividenden von 25 auf 27,5 Prozent angehoben werden soll, ist für Hengl ein weiteres Signal dafür, dass der Regierung der Kapitalmarkt "wohl nicht sehr am Herzen liegt".

Steuerliche Anreize für Investitionen, die Senkung der Arbeitskosten oder auch eine Förderung für Investitionen in den Bereichen Technologie oder Forschung und Entwicklung sind für Hengl denkbare Ansätze, um den Standort Österreich zu fördern. Als nächsten Schritt nach der Steuerreform hofft Hengl daher auf Reformen bei der Standortpolitik.

Alternative gesucht

Aufgrund all dieser Faktoren – und weil Banken wegen Basel III bei der Kreditvergabe vorsichtiger geworden sind – suchen Unternehmen immer öfter eine alternative Finanzierung. Vor allem Anleihen waren in den vergangenen Jahren ein beliebtes Modell. Die Quote der Anleihenfinanzierung ist zuletzt auf 22 Prozent gestiegen. In Zahlen ausgedrückt: Im Vorjahr wurden fünf Milliarden Euro via Anleihen aufgenommen, die Bank Austria hat 15 dieser Transaktionen begleitet. Für heuer wird ein ähnlich hohes Volumen bei den Anleihenemissionen erwartet. Geld könnten Unternehmen aber auch via Börsengang aufbringen, dafür bräuchten Unternehmen aber eine Wachstumsstory – die aufgrund der mauen Konjunktur im Moment oft noch fehle.

Pläne für Börsengänge gebe es aber in der Schublade, sagt Hengl. Auch der Streubesitz von so manchem börsennotierten Unternehmen könnte erhöht werden, was Anleger ebenfalls wieder anlocken würde. Zudem würde es dem heimischen Kurszettel nicht schaden, wenn ein größerer Branchenmix entstünde.

Günstige Bedingungen

Die Europäische Zentralbank habe mit ihrer Politik für Unternehmen günstige Refinanzierungsbedingungen geschaffen, sagt Hengl. Die Auswirkungen der massiven Anleihenkäufe stuft der Experte aber als "enden wollend" ein. Aber die niedrigen Zinsen, der schwächere Euro und die gesunkenen Energiepreise würden die Exporte anschieben. Das ist auch der Bereich, in dem Hengl als Bank wachsen will. "Wir werden heuer noch eine Initiative zur Außenhandelsfinanzierung starten", kündigt Hengl im Gespräch mit dem Standard an. Derzeit würde bereits jedes zweite Akkreditiv über die Bank Austria abgewickelt. Zudem gebe es in diesem Bereich ein 24-Stunden-Service, um Dokumente und Garantien rasch an die Kunden zu liefern.

Bei der Exportfinanzierung will die Bank in den kommenden zwei bis drei Jahren die Hälfte der Marktanteile in Österreich erobert haben. "Die Exportentwicklung muss man als Bank fördern", fasst Hengl zusammen. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 27.3.2015)

  • Dieter Hengl setzt auf die Exportfinanzierung als Wachstumsbereich. Von der Politik wünscht er sich Maßnahmen für Investoren.
    foto: ho

    Dieter Hengl setzt auf die Exportfinanzierung als Wachstumsbereich. Von der Politik wünscht er sich Maßnahmen für Investoren.

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