Osterstress im Hühnerstall: Im Nest zählt die Nullnummer

27. März 2015, 05:30
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Glückliches Huhn, glücklicher Kunde: Das Bio-Ei ist hoch im Kurs. Ein Schlierbacher Bauer räumt dem Bruder Hahn eine Galgenfrist ein

Schlierbach – "Eine ist immer die Susi. Und der Rest sind einfach die anderen." Luisa sitzt inmitten von 1700 aufgeregt gackernden Hühnern. Kurzerhand wird ein Federvieh zum Kuschelobjekt erklärt und muss die grüne Wiese eher unfreiwillig mit dem Schoss der Siebenjährigen tauschen. Auch einem Bio-Freilandhuhn sind eben mitunter klare Grenzen gesetzt.

Der eigentliche Hahn im Korb ist aber ihr Papa Martin Tragler. Gemeinsam mit seiner Frau Tanja bewirtschaftet der Bauer einen Biohof in Schlierbach im Bezirk Kirchdorf. Und wer täglich rund 1500 frische Eier quasi vor der Haustüre liegen hat, der ist Ostern gut im Geschäft. Immerhin verspeisen die Österreicher zur Osterzeit rund 50 Millionen Eier. "Wir haben jetzt Hochsaison.Vielen Osterhasen ist es nicht egal, was ins Nest kommt. Der Kunde wird zunehmend kritischer – und kauft bewusster ein", erzählt Tragler im STANDARD-Gespräch.

Der richtige Druck zählt

Luisa sortiert inzwischen in einem Nebenraum der weiträumigen Stallungen die frischen Eier. Groß, mittel, klein – verschmutzte werden gleich aussortiert. "Die dürfen nicht in den Handel", erläutert Papa Martin, während er die Druckmaschine einschaltet. Denn die Kennzeichnung "vergoldet" das Ei: 0 = Bio, 1 = konventionelle Freilandhaltung, 2 = Bodenhaltung, 3 = Käfighaltung. Dann folgen die Kurzbezeichnung des Herkunftslandes und der Legebetrieb mit seiner Stallnummer.

Gnade für Bruder Hahn

Unweit vom Biohof Tragler liegt der Prenningerhof. Wo einst ausgedehnte Weingärten lagen, flitzen heute die Bio-Masthendln von Stefan Edlinger. Auf dem Speiseplan der glücklichen Hühner stehen vor allem frische Weizenkeimlinge. Diese kommen aus einem Keimrad direkt am Betrieb.

Durchaus Seltenheitswert hat auch Edlingers Liebe zum Hahn. Während in Europa, auch in der Bio-Zucht, jährlich 340 Millionen männliche Küken getötet werden, ist der Schlierbacher Zweinutzungsküken-Pionier. In einer Testphase hat Edlinger 2400 Brüder von Legehennen zur Mast übernommen – und will nun Kunden auf den Geschmack bringen. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 27.3.2015)

  • Bei Biobauer Martin Tragler floriert das Ostergeschäft: 1700 Hühner legen täglich 1500 Eier.
    werner dedl

    Bei Biobauer Martin Tragler floriert das Ostergeschäft: 1700 Hühner legen täglich 1500 Eier.

  • Kollege Stefan Edlinger will ein Umdenken beim Kunden von der Suppenhenne zum Suppenhahn erreichen.
    werner dedl

    Kollege Stefan Edlinger will ein Umdenken beim Kunden von der Suppenhenne zum Suppenhahn erreichen.

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