Chinas politische Cartoons: Onkel Xi am Strand von Hainan

27. März 2015, 05:30
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Ein Trickfilm erklärt, warum Xi Jinping zum Bo'ao-Wirtschaftsforum auf der Urlaubsinsel Hainan fährt. Er ist Teil des neuen Personenkults

Ein neuer politischer Online-Cartoon über Staats- und Parteichef Xi Jinping und seine Frau Peng Liyuan macht in China Furore. Es nennt das Präsidentenehepaar "Xi Dada" (Onkel Xi) und "Peng Mama". Schon seine erste Frage wirkt despektierlich in einem Staat, der sich mit Karikaturen seiner Führer schwertut und es nicht mag, wenn ihnen freche Fragen gestellt werden. Warum fährt "Xi Dada" nun schon zum dritten Mal hintereinander zum Bo'ao-Wirtschaftsforum auf der chinesischen Urlaubsinsel Hainan? "Will er Südseeatmosphäre unter Palmenwäldern schnuppern, am Strand baden oder sich unter andere Erlauchte mischen?"

Die staatstragende Antwort lautet: "Natürlich nicht." Die moderne Form des Cartoons gehört zum neuen Personenkult um Chinas Präsidenten und seine Politik und soll ihn zum freundlichen Volkstribun stilisieren. Der "Onkel" genannte Führer hat im Badeort Bo'ao Großes vor. Er eröffnet am Samstag eine internationale Wirtschaftskonferenz, zu der Staats- und Regierungschefs aus 16 Staaten, 80 Minister und hunderte Wirtschaftsbosse anreisen. Als einziger Europäer ist Österreichs Präsident Heinz Fischer dabei. Auf Bo'ao will Xi die Investitionsschwerpunkte sowie Bau- und Bahnprojekte von Chinas neuer Seidenstraßen-Strategie vorstellen, die sein Land mit 64 Staaten in Asien, Europa und Afrika verbinden soll. Bo'ao soll zum großen Wurf des Präsidenten werden.

Seitenhieb auf USA

Der fast drei Minuten lange Cartoon erklärt volkstümlich, dass Xi schon im dritten Jahr an seinem Plan arbeitet. Im März 2013, zwei Wochen nach seiner Wahl zum Staatspräsidenten, fuhr er erstmals zur Bo'ao-Wirtschaftskonferenz, die nach dem Willen der Pekinger Führung künftig für die Welt wichtiger als Davos werden soll. Im Cartoon heißt es, beim ersten Besuch in Bo'ao setzte Xi ein Zeichen, dass "Asien in seinem Herzen ist". Er sprach über seine Absicht, China mit seinen Nachbarn beschleunigt zu verbinden. 2014 setzte er das fort. Er ließ dafür die Asien-Infrastruktur-Investmentbank (AIIB) und den Seidenstraßenfonds gründen und entwarf eine Strategie, um Europa und Asien mit China über neu ausgebaute Seidenstraßen und Wirtschaftskorridore zu verbinden.

Das ist auch das Hauptthema für Bo'ao 2015. Der Trickfilm verkneift sich nicht einen Seitenhieb auf den Konkurrenten USA, der seit drei Jahren versucht, im Asien-Pazifik-Raum wieder Fuß zu fassen. In Bo'ao sagte Xi: "Niemand darf wegen seiner eigenen Interessen die Welt in Unordnung bringen." Der Cartoon fragt: "Wen hat er damit wohl gemeint? Das wisst ihr selbst."

Der aufblühende Personenkult um den neuen starken Mann Chinas findet auch in online gesendeten Kinderliedern Ausdruck, deren Text Xi selbst schrieb. Oder in Kombinationen aus Zeichentrick und Fotos wie im Videoclip "Onkel Xi liebt Mama Peng". Auch im Cartoon über Bo'ao kommt neben Xi seine Frau Peng vor. Im Begleittext dazu heißt es: Xi könne politisch hart austeilen. Er könne aber auch sehr menschlich sein. "Onkel Xi und Mama Peng haben sich sehr lieb."

Trickfilme von chinesischem Regime

Die neuen Werbeformen sind offenbar direkt im Auftrag oder mit Billigung der Propagandaämter hergestellt worden. Im Netz blieben sie bisher von Zensurmaßnahmen unbehelligt. Für den Bo'ao-Cartoon zeichnet ein "Atelier Fuxing Lushang" verantwortlich, ein Name, der sich von der Pekinger Straße Fuxinglu ableiten soll. Dort habe die Cartoonwerkstatt angeblich ihren Sitz. Übersetzt bedeutet ihr Name: "Auf dem Weg zur Wiedererneuerung der Nation". Das ist auch das Synonym für das politische Programm, mit dem Xi angetreten ist.

Die Agentur hat sich bisher öffentlich nie dazu geäußert, wer ihre Geldgeber sind, wer hinter ihr steht. Sie gibt auch keine Interviews. Bekannt wurde sie zuerst am 14. Oktober 2013. Damals erschien der erste ihrer Trickfilme über Xi. Sein Thema war: "Wie wird man Präsident in China?" Schon nach einer Woche war der Film, in dem Chinas sozialistisches Nominierungssystem besser wegkommt als die Wahlen des Westens, zweieinhalb Millionen Mal heruntergeladen und weiterverbreitet. Inzwischen wurde neben seiner chinesischen auch eine englische Fassung hergestellt,

Die Cartoons über Xi werden über die chinesische Youku-Website verbreitet. Youku ist ein von Peking reguliertes Online-Pendant zum westlichen Youtube. Das wird in China ebenso wie Twitter und Facebook blockiert. (Johnny Erling, derStandard.at, 27.3.2015)

  • Xi begrüßt die Wirtschaftsdelegierten in Hainan.
    foto: screenshot

    Xi begrüßt die Wirtschaftsdelegierten in Hainan.

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