Auf Bosmans Spuren

26. März 2015, 15:24
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Das Urteil des Mainzer Arbeitsgerichtes könnte zum Präzedenzfall im internationalen Fußball werden

Man sagt über den heuer 50-jährigen Jean Marc Bosman, er sei der einflussreichste Fußballer aller Zeiten gewesen. Die Causa Bosman war 1995 in aller Munde. Da gewann der belgische Fußballer, Jean Marc Bosman einen Prozess gegen seinen Verein Standard Lüttich, weil der ihn nur nach dem Zahlen einer Ablösesumme nach Frankreich, zum FC Dunkerque, ziehen lassen wollte. Nachdem der Europäische Gerichtshof Bosman auch Recht gab, kam es zu erdbebenartigen Veränderungen im internationalen Fußball: Fortan konnten Spieler aus der europäischen Union ohne Ablösesumme zu Mannschaften innerhalb der europäischen Union wechseln und Spieler aus der EU galten plötzlich nicht mehr als Ausländer.

Plötzliches Interesse am Prozess

Nun tritt ein 36-jähriger deutscher Torhüter, Heinz Müller, in Bosmans Fußstapfen. Besagter Herr ist Ersatztorhüter beim deutschen Bundesligisten Mainz 05 gewesen, im Juni lief sein Vertrag beim Erstligisten aus. Heinz Müller pochte auf Vertragsverlängerung, sein Verein hatte aber andere Pläne. Daraufhin verklagte der Keeper seinen Arbeitgeber.

barnsley fc
Heinz Müller war auch Legionär in England, bei Fulham und beim Zweitligisten Barnsley (Hier 2009 mit mit einer spektakulären Parade nach einem Last-Minute-Elfmeters gegen Preston)

Bis gestern hat sich kaum jemand für diesen Prozess interessiert, dann aber kam die Nachricht von der Entscheidung des Mainzer Arbeitsgerichtes. Nämlich, dass Heinz Müllers Arbeitsvertrag ohne sachlichen Grund nicht über zwei Jahre hinaus befristet werden dürfe und anschließend ein Recht auf eine unbefristete Anstellung bestehe. Das heißt im Fußball sei es wie im "echten Leben": Nach zwei Jahren befristetem Vertrag hat man das Recht auf einen Unbefristeten.

Üblichkeit als Argument ungenügend

Die Folgen dieser Entscheidung könnten für die europäischen Vereine von grundlegender Bedeutung sein. Als Folge könnten nun alle Profisportler nach einem Zweijahresvertrag Anspruch auf eine unbefristete Anstellung erheben. "Die Üblichkeit von befristeten Arbeitsverträgen im Profisport, die vom Verein als Argument angeführt wurde, kann für uns kein Argument sein, eine Ausnahme vom gesetzlichen Gebot zu rechtfertigen", sagte Richterin Ruth Lippa.

Das Gesetz sieht allerdings die Vereinbarung von Ausnahmeregelungen vor, sofern diese Bestandteil eines Tarifvertrages sind. Ulf Baranowsky Geschäftsführer der "Vereinigung der Vertragsfußballspieler" (VDV), hatte abermals den Abschluss eines Tarifvertrags (in Österreich Kollektivvertrag) für Profifußballspieler gefordert. Es gibt laut Baranowsky in etlichen europäischen Ligen Tarifverträge, so in den Niederlanden, in Frankreich und Spanien.

Wenig Chance auf Abfindung

Gegen das Urteil wurde vom Bundesligaverein sofort Berufung eingelegt. Rainer Koch, als erster Vizepräsident des DFB für Rechtsfragen zuständig, sagte am Mittwoch dem Onlineportal "Sport1.de": "Es steht für mich außer Frage, dass das allgemeine Arbeitsrecht im Fußball so nicht gelten kann."

Müller ist momentan auf der Suche nach einer neuen Mannschaft. An seinem Alter wird es nicht scheitern: mit 36 ist er im besten Torhüteralter. (mdt; derStandard.at, 26.3.2015)

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