Zoom bedauert geplatzte Weltmuseum-Beteiligung

26. März 2015, 13:35
posten

Das Kindermuseum Zoom will vermehrt Kinder aus sozial schwachen Familien erreichen, finanziell stecke man in Nöten

Wien - Aufgrund der großen Nachfrage verlängert das Wiener Kindermuseum ZOOM seine aktuelle Ausstellung "Druckwerkstatt" bis zum 6. September. Das gab Direktorin Elisabeth Menasse-Wiesbauer am Donnerstag bei einer Pressekonferenz bekannt, in der sie erneut auf die Rekordzahlen von über 128.000 Besuchern im Jahr 2014 verwies. Neu ist heuer eine eigene Kindervorlesung in türkischer Sprache im Herbst.

Da es in diesem Frühjahr keine neue Ausstellung für Kinder ab sechs Jahren geben wird, finden künftig an den Wochenenden in der "Druckwerkstatt" Spezialprogramme statt. Die erste davon werde sich dem Thema "Bodyprints" widmen, wo Kinder mit abwaschbarer Farbe Arme, Beine und Füße bedrucken können. Im "ZOOM Atelier", das für Kinder ab drei Jahren gedacht ist, hat bereits das neue Programm "Sockenmonsterparty!" begonnen, bei der Kinder gemeinsam mit Künstlern an einer Sockenskulptur bauen, Strumpfwesen kreieren und eigene Monstergeschichten erfinden, wie es bei der Pressekonferenz hieß.

Der "ZOOM Ozean", die Unterwasserwelt für die Kleinsten, bleibt aufgrund des großen Erfolgs unverändert. Im neuen "Lab Club: Floh und so" (8 bis 14 Jahre) können Kinder an einer Web-Serie arbeiten: Jedes Wochenende entsteht im Trickfilmstudio eine neue Episode aus der Perspektive eines kleinen Flohs. Im Herbst eröffnet schließlich die neue Mitmachausstellung zum Thema "Kunststoff-Plastik-Nachhaltigkeit".

Kinder aus sozial schwachen Familien erreichen

Erfreut zeigte sich Menasse-Wiesbauer über die Tatsache, dass man durch den freien Eintritt in die ZOOM Ausstellung "viel stärker Kinder aus sozial schwachen Familien" erreiche, die im Rahmen der Besuche von Schulklassen in das Museum kommen. Allerdings habe sich die Zielgruppe in den vergangenen Jahren aufgrund des demografischen Wandels "stark verändert", die "Sprachkompetenz wird schlechter", attestierte Menasse-Wiesbauer. Der niederschwellige Zugang sei umso wichtiger, als es in Wiener Volksschulklassen rund 50 Prozent und in Wiener Kindergärten rund 75 Prozent Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund gebe.

Ursprünglich sei das Museum "für Mittelschichtkinder" gegründet worden, "die sich Inhalte selbst aneignen können". "Weniger geförderte Kinder" hätten damit Probleme und daher sei es zunehmend wichtig, die Kinder intensiver zu betreuen. Für diesen Zusatzaufwand reiche die derzeitige Refundierung des Eintrittspreises allerdings "bei weitem" nicht mehr aus. Auch die Sponsorengelder hätten sich in den vergangenen Jahren massiv reduziert. Derzeit erhält man von der Stadt Wien jährlich 1,6 Mio. Euro (Kultur- und Bildungsressorts) an Förderungen. Den konkreten Zusatzbedarf an Finanzierungsmitteln beziffert das Haus mit 300.000 Euro, um den Betrieb des Kindermuseums "in vollem Umfang aufrechterhalten zu können".

Bedauern um geplatzte Weltmuseum-Beteiligung

Die veränderte Besucherstruktur hat das Museum auch bewogen, die bereits jetzt stattfindenden Kindervorlesungen, von denen jeweils auch eine im Wiener Rathaus stattfindet, im Herbst auch erstmals auf Türkisch anzubieten. Dies sei durch Kooperation mit einer Istanbuler Institution gelungen, die das Konzept der Kindervorlesung vom ZOOM übernommen hat und ihre Version nunmehr nach Wien bringe.

Aufgrund des großen Andrangs hätte eine Dependance im Weltmuseum, die aufgrund der Redimensionierung gestrichen wurde, durchaus Sinn gemacht, unterstrich Menasse-Wiesbauer auf APA-Nachfrage. Diese Entwicklung sei "sehr bedauerlich". Schließlich hätte man dem Weltmuseum viele junge Besucher bringen können. Geplant wären auf 350 Quadratmetern Grundfläche auf zwei Stockwerken Ausstellungen etwa zu Themen wie "kultureller Vielfalt" oder unterschiedlichen Religionen gewesen. Menasse-Wiesbauer schätzt, dass man damit rund 30.000 Besucher pro Jahr ins Weltmuseum bringen hätte können. Derzeit suche man nicht aktiv nach alternativen Kooperationen, sei aber dahin gehend durchaus offen. (APA, red, 26.3.2015)

Share if you care.