Liturgy: "The Ark Work"

27. März 2015, 10:36
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Liturgy aus New York bringen die Uni zum Headbangen

Wenn es darum geht, gottesfernen und zivilisationsfeindlichen Prügel-Metal mit anderen exotischen Spielarten adoleszenter Popmusik zu kombinieren, bieten sich vor allem zwei französische Fleischhacker-Bands an. Im Gegensatz zu den meisten Kirchenanzündern und schminksüchtigen Prinzessinnen mit Stachelhalsband (jetzt einmal ausgenommen die Bands Ulver, Emperor oder Solefald) haben Blut Aus Nord aus Frankreich und Beherit aus Finnland immerhin auch Einflüsse aus Hip-Hop und Elektronik in ihre Musik einfließen lassen.

thrill jockey records

Ganz abgesehen vom vor allem altersbedingten Wechsel vom Amoklauf zum Spätwerk von Pink Floyd, Yes oder King Crimson erweist sich das außerhalb der im Metal immer todseriösen Fundamentalistenkreise als gangbarster Weg, dieser durch und durch auf eine mentale Vormoderne vertrauenden Musik den Weg ins bürgerliche Ausgedinge zu ebnen.

Liturgy aus der Studenten-Weltzentrale Brooklyn, New York, setzen dem Ganzen mit ihrem neuen Album The Ark Work die Krone auf. Universitärer Metal mit vielen Fremdwörtern und Nebensätzen und Fußnoten ist zwar im irrwitzigen Geballere und Nervensägen der Gitarre wie des sehr hohen und sehr enervierenden Bunsenbrennergesangs des Herrn Hunter Hunt-Hendrix ein wesentlicher Bestandteil. Der Autor der wegen seiner Absurdität wesentlichen Metal-Theorie-Schrift Transcendental Black Metal: A Vision Of Apocalyptic Humanism setzt allerdings auch auf Progressive Rock, Glockenspiel, Dudelsack und Gebläse. Heraus kommt ein mitunter sogar zum Zweithören einladendes Werk, das in der Geschichte der studentischen Freizeitbeschäftigungen sicher einmal einen wesentlichen Platz einnehmen wird. (schach, Rondo, DER STANDARD, 27.3.2015)

  • Liturgy - The Ark Work (Thrill Jockey)
    cover: thrill jockey

    Liturgy - The Ark Work (Thrill Jockey)

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