Presserat rügt "Krone"-Bericht über "tobende Türkin"

26. März 2015, 11:14
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"Eklatant falsch" und religiös diskriminierend, sagt der Senat des Presserats

Wien - Die "Krone" hat mit ihrem Artikel "Polizei-Einsatz bei Krippenspiel" nach Ansicht des Presserats gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse verstoßen. Sie berichtete, dass in einer Wiener Volksschule eine Türkin in die Vorbereitungen eines Krippenspiels "geplatzt" sei und plötzlich zu toben begonnen habe.

Dem Presserat liege ein Brief der Direktorin der Volksschule an alle Eltern wegen dieses Artikels vor. Darin wird festgehalten, dass die Person, die einen Nervenzusammenbruch erlitten habe, nicht "eine verschleierte Türkin" gewesen sei, sondern eine Großmutter einer Schülerin, die das Krippenspiel besuchen wollte. Als die Großmutter die Klasse der Enkelin betreten wollte, sei die Lehrerin kollabiert. Daraufhin habe die Großmutter einen Nervenzusammenbruch erlitten, da sie durch den Vorfall an den Unfalltod ihres Sohnes erinnert worden sei. Es stimme nicht, dass die Großmutter in das Krippenspiel "hereingeplatzt" sei und plötzlich zu schreien begonnen habe. Auch die Angaben zum Polizeieinsatz seien falsch.

"Eklatant falsch", religiös diskriminierend

Der entscheidende Senat des Presserats vermisst vom Kodex verlangte Gewissenhaftigkeit und Korrektheit in Recherche und Wiedergabe von Nachrichten. Die tatsächlichen Umstände des Vorfalls hätten bei der Schulleitung oder dem Träger der Schule nach Meinung des Senats verhältnismäßig einfach recherchiert werden können, lässt das Selbstkontrollorgan verlauten: "Eine derartig eklatant falsche Berichterstattung ist mit den medienethischen Vorgaben des Ehrenkodex nicht vereinbar." Zudem verletze der Bericht das Verbot von Diskriminierungen aus nationalen und religiösen Gründen.

Die "Krone" beteiligt sich ebenso wenig am Presserat wie "Heute" und "Österreich". (red, 26.3.2015)

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