Wie Internetnutzer IS-Sympathisanten auf Twitter bekämpfen

26. März 2015, 10:23
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Nutzer fahnden nach IS-Konten und wollen mit massenhaften Meldungen deren Stillegung erreichen

Dass die Terrororganisation "Islamischer Staat" sich sozialer Medien bedient, um Propaganda zu verbreiten und neue Mitglieder anzulocken, ist schon länger kein Geheimnis mehr. Insbesondere Twitter soll sich bei der radikalen Gruppierung hoher Beliebtheit erfreuen.

Doch die Enthauptungen von Geiseln und die Verbreitung von Aufnahmen dieser Gräueltaten führen nicht nur zu mehr Zulauf, sondern bestärken auch den Widerstand. Mittlerweile haben verschiedene Gruppierungen, die sich aus Menschen unterschiedlichster Hintergründe zusammensetzen, online den Kampf gegen den IS aufgenommen, wie die New York Times berichtet.

Bis zu 90.000 IS-Konten

"Ich mache das, weil die Grausamkeiten, die ich tagtäglich vom IS-Abschaum sehe, mich verärgern", erklärt eine Nutzerin, die unter dem Pseudonym "Touch My Tweets" operiert. "Das ist mein Luftschlag." Sie und andere wollen dabei anonym bleiben, haben sie doch bereits Morddrohungen von IS-Sympathisanten erhalten.

Die Kollektive nennen sich etwa "GhostSec" oder "CntrlSec" und auch Anonymous geht seit geraumer Zeit gegen den IS im Netz vor. Dabei geht es aber nicht darum, Konten zu hacken oder Webseiten lahmzulegen, sondern auf Twitter vom IS verwendete Konten aufzuspüren und stilllegen zu lassen.

Schätzungen zufolge betreibt der IS 70.000 bis 90.000 Accounts auf dem Kurznachrichtendienst. Teils durchforsten die freiwilligen IS-Bekämpfer das soziale Netzwerk mehrere Stunden am Tag, um sie aufzuspüren. Sie sammeln sie in Listen, die sie weitergeben und andere User aufrufen, die betreffenden Konten bei Twitter zu melden. "Tango Down" meldet man, wenn mal wieder ein Nutzername stillgelegt wird, eine Floskel aus dem militärischen Bereich, der für den erfolgreichen Abschuss eines Ziels steht. Der größte Coup war bislang die Enttarnung von 9.200 IS-Accounts.

Katz-und-Maus-Spiel

Freilich versuchen die IS-Sympathisanten Gegenmaßnahmen zu setzen. Unter ihnen kursieren Listen, auf denen sich wiederum die Konten ihrer Verfolger finden. Empfohlen wird, den Accountnamen zu wechseln, wenn man eine baldige Stilllegung befürchtet. Seit Februar soll auch eine Art Handbuch in Umlauf sein, das erklärt, wie man die Angabe von E-Mail oder Telefonnummer beim Anlegen eines Kontos umgehen kann.

Für die bisher erfolgten Sperrungen hatte man in der Vergangenheits bereits Todesdrohungen an hochrangige Twitter-Manager, darunter CEO Dick Costolo, versandt. Dazu postete man Bilder, die einen geköpften blauen Vogel – das Logo des Dienstes – zeigten.

Spagat

Twitter selbst wurde dabei schon öfter kritisiert, zuwenig gegen den Mißbrauch seines Netzwerks zu tun. Vor einigen Wochen erhielt das Unternehmen einen von Demokraten und Republikanern unterzeichneten Brief des Komittees für auswärtige Angelegenheiten aus dem Repräsentantenhaus.

Man antwortete, dass man die Mechanismen zur Stilllegung problematischer Accounts mittlerweile ausgeweitet habe, aber weiterhin die Meinungsfreiheit der User bewahren werden, "auch für Meinungen, denen viele Menschen widersprechen oder sie abscheulich finden". (gpi, 26.03.2015)

  • "Tango Down" melden die IS-Gegner, wenn Twitter Konten von Sympathisanten der Terrororganisation stilllegt.
    foto: twitter

    "Tango Down" melden die IS-Gegner, wenn Twitter Konten von Sympathisanten der Terrororganisation stilllegt.

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