"Die NSA braucht keine Telefonüberwachung, um alles über uns zu wissen"

26. März 2015, 09:55
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Sicherheitsexperte Bruce Schneier warnt vor der "Illusion", dass das Sammeln von Metadaten harmlos sei

Die Snowden-Dokumente haben der Weltöffentlichkeit einen kleinen Einblick in das Ausmaß der Überwachung des Internets durch die NSA gegeben. Kaum ein Weg auf dem der US-Geheimdienst nicht versucht, den weltweiten Datenverkehr auszuspionieren. Nicht zuletzt betrifft dies auch die Telefonverbindungen, so sorgte in den USA für einige Aufregung, dass die NSA praktisch uneingeschränkten Zugriff auf die Daten der einzelnen Anbieter hat.

"Nur" Metadaten

Schnell beeilte man sich zu betonen, dass es dabei ohnehin "nur" um die Metadaten gehe und nicht um die Inhalte der Gespräche - ähnlich der in Europa mittlerweile größtenteils gekippten Vorratsdatenspeicherung. Diese Strategie scheint aufgegangen zu sein, die Disussion schlief schon bald wieder ein. Zu Unrecht, wie nun Sicherheitsexperte Burce Schneier in einem neuen Buch betont, aus dem Wired Auszüge veröffentlicht hat.

Wer mit wem

Denn der Zugriff auf Metadaten sei bei weitem nicht so harmlos, wie es die Geheimdienste gerne darstellen: Wer mit wem wie oft telefoniert - aus diesen simplen Informationen lassen sich weitreichende Rückschlüsse auf unser aller Leben ziehen. De Fakto brauche die NSA dadurch gar keine Telefonüberwachung mehr.

Studie

Dass solche Behauptungen nicht bloß eilig dahin gesagt Standardsätze von Überwachungsgegnern sind, zeigt eine Untersuchung der Universität Stanford. In dieser wurden die Telefonmetadaten von 500 Probanten über mehrere Monate erfasst. Und die Schlüsse, die sich daraus ziehen lassen, sind durchaus besorgniserregend.

Beispiele

So hat etwa einer der Teilnehmer mit mehreren Neuerologen kommuniziert, einer Spezial-Apotheke und einer Hotline, die sich alleine auf Multiple Sklerose spezialisiert hat. Ein weiterer hat im Verlauf mehrerer Wochen ein Bastelgeschäft, einen Schlosser, einen Hydrokultur-Händler sowie einen Head Shop angerufen. Und eine dritte Partizipantin hat zuerst in aller Früh mit ihrer Schwester telefoniert, dann einige Male bei Kliniken von "Planned Partenhood" angerufen, zwei Wochen später noch zweimal die selbe Nummer gewählt und ein Monat danach ein weiteres Mal.

Schlüsse

Ganz ohne Zugriff auf irgendwelche Inhalte, lässt sich aus den Metadaten also schließen, dass die erste Person an Multipler Sklerose leidet, die zweite zu Hause Marihuana anbaut und die Dritte eine Abtreibung vornehmen hat lassen. Die Wahrheit sei, dass die Trennung zwischen Inhalten und Metadaten eine Illusion sei, resümiert Schneier. Es sind alles Daten über uns - die jede Menge intime Details verraten. (red, derStandard.at, 26.3.2015)

  • Data and Goliath: Das aktuelle Buch von Bruce Schneier.
    grafik: bruce schneier

    Data and Goliath: Das aktuelle Buch von Bruce Schneier.

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