Immer mehr Asylanträge in Industriestaaten

26. März 2015, 06:16
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Die meisten Flüchtlinge kommen aus Syrien. Deutschland nimmt die meisten auf, Österreich liegt in den Top Ten

Genf/Wien - Auf den höchsten Stand seit 22 Jahren sind im vergangenen Jahr die Asylanträge in Industriestaaten gestiegen. Die Gründe dafür listet ein neuer UNHCR-Bericht auf: die Kriege in Syrien und dem Irak und andere bewaffnete Konflikte, Menschenrechtsverletzungen sowie sich verschlechternde humanitäre und Sicherheitsbedingungen in einer Vielzahl von Staaten.

Das ist das Ergebnis des UNHCR-Berichts "Asylum Trends 2014", der am Donnerstag veröffentlicht wurde. Insgesamt wurden demnach im vergangenen Jahr geschätzte 866.000 Erstasylanträge gestellt. Das bedeutet eine Steigerung um 45 Prozent gegenüber 2013, als 596.000 Anträge gezählt wurden. Die Zahl für 2014 ist die höchste seit 1992, als der Konflikt in Bosnien und Herzegowina ausbrach.

Meisten Asylwerber kommen aus Syrien

Die weitaus meisten Asylwerber stammten im vergangenen Jahr wie auch schon im Jahr davor aus Syrien. Sie stellten 150.000 Asylanträge, das war im Schnitt jeder fünfte Antrag, der in den Industriestaaten registriert wurde. Weitere Hauptherkunftsländer waren der Irak (68.700 Asylanträge, fast eine Verdoppelung zum Vorjahr) und Afghanistan (68.000 Anträge). Es folgten Serbien und der Kosovo sowie Eritrea.

Weltweit die meisten Asylwerber wurden im vergangenen Jahr in Deutschland registriert: 173.000 Asylerstanträge wurden hier gestellt, ein Viertel davon von Syrern. An der zweiten Stelle liegen die USA mit geschätzten 121.000 Asylanträgen, vorwiegend aus Mexiko und anderen lateinamerikanische Staaten. In der Türkei (wo Ende 2014 mehr als 1,5 Millionen syrische Flüchtlinge registriert waren) wurden 87.800 neue Asylanträge gestellt, zumeist von Irakern.

Österreich ist in dieser Statistik mit 28.060 Neuanträgen vom zehnten auf den neunten Platz vorgerückt, hinter Großbritannien (31.260) und vor den Niederlanden (23.850). Gemessen an seiner Einwohnerzahl liegt es sogar an der achten Stelle. So gemessen ist Schweden das Land mit den meisten Asylsuchenden, gefolgt von Malta, Luxemburg, der Schweiz und Montenegro.

Russland nicht aufgeführt

Russland ist in dem Bericht aus methodischen Gründen nicht aufgeführt, verzeichnete 2014 aber rund 265.400 Ansuchen auf kurzzeitiges Asyl und 5.800 Anträge auf einen Flüchtlingsstatus. Gleichzeitig stieg die Zahl der ukrainischen Staatsbürger, die in einem der 44 Industriestaaten Asylanträge stellten, von 1.400 im Jahr 2013 auf 15.700 im vergangenen Jahr.

Flüchtlingshochkommissar Antonio Guterres stellte die neuen Zahlen in einen historischen Kontext: "In den 1990er-Jahren mussten wegen der Balkan-Kriege hunderttausende Menschen ihre Heimat verlassen. Viele von ihnen fanden Zuflucht in den westlichen Industriestaaten. Heute, mit dem Anstieg bewaffneter Konflikte überall auf der Welt, stehen wir vor ähnlichen Herausforderungen, vor allem mit Blick auf die dramatische Situation in Syrien. Unsere Antwort muss ebenso generös wie damals ausfallen. Es geht darum, für jene, die vor diesen schrecklichen Konflikten fliehen, den Zugang zum Asyl zu gewährleisten, Aufnahmeplätze im Rahmen von Resettlement-Programmen bereitzustellen und andere Schutzformen anzubieten."

Weniger Asylanträge in Australien

Während die meisten Industriestaaten mehr Asylanträge registrierten, gingen die Zahlen in einigen Ländern, wie beispielsweise in Australien, zurück. Waren es 2013 noch 11.700 Asylanträge, wurde 2014 ein Rückgang um 24 Prozent, auf 9.000 verzeichnet.

Der Bericht basiert auf den Daten, die das UNHCR von 44 Regierungen in Europa, Nordamerika und Teilen Asiens erhalten hat. Die Zahlen der Asylsuchenden in den Industriestaaten, die damit erfasst werden, sind nur ein Teil der globalen Fluchtbewegungen. Ende 2013 waren 51,2 Millionen Menschen aufgrund von Krieg, Gewalt, Verfolgung und Menschenrechtsverletzungen auf der Flucht. Davon waren 16,7 Millionen Flüchtlinge und 33,3 Millionen Vertriebene innerhalb ihres Landes. 1,2 Millionen Menschen waren Asylsuchende. (APA, 26.3.2015)

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