Jemen: Huthis nehmen Aden in die Zange

25. März 2015, 18:01
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Kampfjets von Jemens Regierungsgegnern haben das Areal des Präsidentenpalastes in Aden bombardiert. Präsident Hadi floh

Sanaa/Kairo – Nach der Einnahme von Taiz, der drittgrößten Stadt des Jemen am Sonntag, setzen die Huthi-Rebellen trotz zahlreicher Gegendemonstrationen am Mittwoch ihren Marsch auf die vorläufige Hauptstadt Aden entschlossen fort. Nach heftigen Kämpfen konnten sie dabei die Luftwaffenbasis von Al-Anad, die wichtigste im Land, unter Kontrolle bringen. Diese war erst in der vergangenen Woche von den US-Soldaten aufgegeben worden, die von dort aus Drohnenangriffe gegen Al-Kaida-Kämpfer koordiniert hatten.

Die schiitischen Huthi-Rebellen, die Autonomie und eine gerechtere Einkommensverteilung als ihre Ziele angeben, stießen am Mittwoch aus drei Richtungen auf die südliche Küstenstadt Aden vor, wo Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi vor einem Monat sein Machtzentrum eingerichtet hat. Sie waren am Abend nur noch wenige Kilometer von der Stadt entfernt, an deren Rand heftige Schusswechsel zu hören waren.

Verteidigungsminister gefangengenommen

Im fast ausschließlich sunnitischen Aden, der Heimatstadt Hadis, hatten sich zusätzliche Freiwillige bereits bewaffnet. Es war mit heftigem Widerstand zu rechnen. Am Mittwoch wurde das Palastareal erneut von Militärflugzeugen angegriffen. Der Flughafen wurde aus Sicherheitsgründen geschlossen. Hadi musste an einen sicheren Ort evakuiert werden. Den ganzen Tag über gab es Spekulationen, er sei auf dem Weg in einen Golfstaat, nachdem die Regierungen dieser Länder ihre diplomatischen Missionen geschlossen hatten, die sie nach Hadis Flucht von Sanaa nach Aden in der Metropole eingerichtet hatten. Die Huthis meldeten die Gefangennahme von Hadis Verteidigungsminister.

Besonders heikel ist der Vorstoß der Aufständischen in die Hafenstadt al-Mukha. Mit ihrer Einnahme kontrollieren die Huthis nach al-Hudayda nicht nur den zweiten Hafen am Roten Meer, Mukha liegt nur 80 Kilometer von der strategisch wichtigen Meerenge von Bab al-Mandab entfernt, einer internationalen Wasserstraße zwischen Jemen und Afrika. Eine Unterbrechung, die auch die Durchfahrt durch den Suez-Kanal tangieren würde, wäre für regionale Nachbarn ein Kriegsgrund.

Debatte zu Intervention

Hadi, der von der internationalen Gemeinschaft als legitimer Präsident anerkannt wird, hat in einem Brief an den UN-Sicherheitsrat um die Einwilligung angesucht, dass Golfstaaten und die Arabische Liga alle Mittel – ausdrücklich auch Militärinterventionen – einsetzen dürfen, um das Volk vor der "Huthi-Aggression" zu schützen. Saudi-Arabien, das Jemen zuletzt mit rund 6,3 Mio. Euro finanziell geholfen hat, hat jegliche Unterstützung zugesagt und Truppen an der Grenze verstärkt. Die Arabische Liga wollte am heutigen Donnerstag über eine mögliche Intervention debattieren. Diese hätte einen Krieg über den Jemen hinaus zur Folge, haben die Huthis, die Gegnern als Verbündete des Iran gelten, gedroht.

Die Chancen für eine politische Lösung schwinden. Auf eine Initiative von UN-Vermittler Jamal Benomar gab es Mittwoch noch keine Zusagen. (Astrid Frefel, DER STANDARD, 26.3.2015)

  • Rückzugsgefechte: Die Anhänger des jemenitischen Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi, im Bild vor dem Verlust der Al-Anad-Luftwaffenbasis, sind gegen die Huthi-Rebellen im Hintertreffen.
    foto: reuters/stringer

    Rückzugsgefechte: Die Anhänger des jemenitischen Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi, im Bild vor dem Verlust der Al-Anad-Luftwaffenbasis, sind gegen die Huthi-Rebellen im Hintertreffen.

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