Todesstrafe in Utah: Erschießung im Visier

Kommentar24. März 2015, 18:05
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Bei einem Engpass der für die Giftspritze nötigen Medikamente sollen Todeskandidaten erschossen werden

Mord ist Mord. Egal, ob er eine staatliche Sanktion ist. In Amerika sieht man das anders: die Todesstrafe ist zulässig – solange sie nicht "grausam und ungewöhnlich" ist. Doch Mord ist immer grausam. Egal, welche Tat jemand begangen hat.

Wirkt eine Todesspritze schnell, ist sie laut amerikanischer Verfassung eine berechtigte Qual. Im vergangenen Jahr zeigte sich aber, dass die Exekution durch Gift nicht immer wirksam ist. Einige Opfer starben langsam und qualvoll.

Die 32 Bundesstaaten, in denen die Todesstrafe Gesetz ist, haben immer öfter Probleme, an das Gift zu kommen. Daher verwenden sie unerprobte Giftcocktails. Der einzige amerikanische Hersteller hat 2010 seine Produktion eingestellt. Und europäische Pharmafirmen weigern sich, Betäubungsmittel zu liefern.

Der Bundesstaat Utah hat einen Weg aus dem Engpass: Die Todeskandidaten sollen erschossen werden, wenn die nötigen Medikamente fehlen. Das ist nun Gesetz. Der Initiator, Republikaner Paul Ray, sieht in der Erschießung eine "schnellere und humanere" Variante.

Letztlich ist bei einem Exekutionskommando nicht klar, wer der Todesschütze ist. Ob es für das Opfer menschlicher ist, ist fraglich. Mit so einer Variante macht man es lediglich den Henkern einfacher: Man nimmt ihnen die Verantwortung. (Selina Thaler, derStandard.at, 24.3.2015)

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