Multiresistenter Tuberkulosestamm: Schnelltest nicht wirksam

24. März 2015, 09:19
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Forscher weisen darauf hin, dass mehr als ein Viertel der multiresistenten (MDR) Tuberkulosestämme nicht durch die aktuell verwendeten molekularbiologischen Tests erkannt werden können

Molekulardiagnostische Schnelltests, wie der von der WHO empfohlene "Xpert MTB/RIF"- Test, gehören zu den wichtigsten Instrumenten bei der Identifizierung und Kontrolle von MDR-Tuberkuloseinfektionen in Swasiland - dem Land mit den höchsten Tuberkuloseraten weltweit.

Epicentre, ein angegliedertes Forschungszentrum von Ärzte ohne Grenzen, hat gemeinsam mit dem Forschungszentrum Borstel und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), Tuberkulosestämme aus den Jahren 2009-2010 analysiert, die im Rahmen einer nationalen Antibiotikaresistenz-Studie in Swasiland gesammelt wurden.

Eine genetische Analyse zeigte, dass 30 Prozent der 125 MDR-Stämme eine spezifische Mutation aufweisen, die zuvor nur in einzelnen Stämmen aus Hongkong und Australien festgestellt wurde. Diese Mutation führt dazu, dass eines der wichtigsten Antibiotika (Rifampicin) bei der Tuberkulosebehandlung nicht mehr wirksam ist.

Weitere Ausbreitung befürchtet

Problematisch ist zudem, dass Tuberkulosestämme mit dieser Variante nicht durch den Schnelltest "Xpert MTB/RIF" erkannt werden, der in Swasiland von der WHO als Standardtest für den Nachweis einer multiresistenten Tuberkulose empfohlen wurde. "Der hohe Anteil dieser Stammvariante stellt ein großes Risiko für die öffentliche Gesundheit dar und darf nicht ignoriert werden" sagt Stefan Niemann vom Forschungszentrum Borstel und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung

Laut dem Experten sein das Risiko groß, dass sich diese Tuberkulosestämme durch unwirksame Antibiotikatherapien unerkannt - auch über nationale Grenzen hinweg - ausbreiten.

Bisheriger Schnelltest nicht ausreichend

Die Ergebnisse dieser Untersuchung sind besonders problematisch für ein Land, in dem 26 Prozent der Erwachsenen mit HIV infiziert sind und 80 Prozent der Tuberkulose-Patienten eine Koinfektion mit HIV aufweisen. Für die Wissenschaftler alarmierend ist auch die Tatsache, dass die Patienten, die eine Koinfektion mit HIV haben, häufiger mit MDR-TB infiziert sind als HIV-negative Patienten.

Deshalb empfiehlt Ärzte ohne Grenzen, dass alle Patientenisolate in Swasiland, die positiv auf Tuberkulosebakterien getestet wurden, einer zusätzlichen Resistenzdiagnose unterzogen werden. Zudem ist es wichtig, ähnliche Studien in den Nachbarländern Südafrika und Mozambique durchzuführen, um die aktuelle Ausbreitung dieses multiresistenten und schwer zu detektierenden Keims nachzuvollziehen. "Sollte dies der Fall sein, ist es unerlässlich, dass der Schnelltest in der jetzigen Form anpasst werden muss", sagt die Erstautorin der Studie Elisabeth Sanchez. (red, derStandard.at, 24.3.2015)

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