Krebszellen reparieren eigenes Erbgut

24. März 2015, 08:53
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Ein Forscherteam hat herausgefunden, wie gewisse Krebsarten Resistenzen aufbauen - und wie diese verhindert werden können

Bern - Krebskranke Menschen sterben häufig, weil Krebszellen früher oder später Resistenzen gegen alle Medikamente entwickeln. Nun hat ein internationales Forscherteam einen weiteren dafür mitverantwortlichen Mechanismus gefunden.

Die im menschlichen Körper natürlich vorkommenden Proteine BRCA1 und BRCA2 spielen eine zentrale Rolle bei der Reparatur von Defekten der DNA, also des Erbguts. Sind die Proteine inaktiv - was bei vielen Patientinnen mit Brust- oder Eierstockkrebs der Fall ist - kommt es zu einer fehlerhaften Reparatur. Das kann zu Krebs führen. Dieser Nachteil wird nun allerdings therapeutisch ausgenutzt, wie Sven Rottenberg vom Institut für Tierpathologie an der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern erläutert: "Weil sich BRCA1- oder BRCA2-defekte Krebszellen selbst nicht richtig reparieren können, sprechen sie auf Therapien an, welche die DNA schädigen."

Bei Laborversuchen stellten Wissenschaftler der Universität Bern fest, dass die Krebszellen es schaffen, das eigene Erbgut (DNA) zu reparieren, obwohl ihnen eigentlich die Reparatur-Proteine dazu fehlen. Dafür ist der Verlust eines speziellen Gens verantwortlich. Dieses Gen blockiert normalerweise die Reparatur bei BRCA1-defekten Krebszellen.

Krebstherapieresistenz

In Zellkulturen haben die Wissenschaftler nun eine alternative Behandlung der resistenten Tumorzellen gefunden: Sie blockieren das Protein ATM, welches ebenfalls in die DNA-Reparatur involviert ist. So können die resistenten Tumorzellen wieder für die Therapien sensibilisiert werden.

Zum Einsatz kommen dabei sogenannte PARP-Inhibitoren. Diese treffen sowohl gesunde Zellen wie auch die Krebszellen. Während die normalen Zellen den Schaden noch reparieren können, gelingt dies den Tumorzellen nicht, und sie sterben.

Die neu entwickelten ATM-Inhibitoren werden nun für erste klinische Studien vorbereitet. Sven Rottenberg hofft, dass aufgrund dieser Befunde die Therapie von Brust- und Eierstockkrebs verbessert werden können.

Eine lokale Krebstherapie, also die chirurgische Entfernung oder Bestrahlung des Tumors, ist mitunter wirkungsvoll. Bei Patienten, deren Krebs bereits Metastasen entwickelt hat, muss allerdings eine Chemotherapie angewendet werden. "Die Chancen auf eine komplette Heilung sind in diesen Fällen leider oft gering", sagt Sven Rottenberg. "Die meisten dieser Patienten entwickeln früher oder später eine Resistenz gegen alle Medikamente. Bei ihnen gehört die Krebstherapieresistenz zur häufigsten Todesursache", ergänzt der Experte. (APA/red, derStandard.at, 24.3.2014)

  • Therapieresistente Tumoren sind die häufigste Todesursache bei Patienten mit metastasierten Krebserkrankungen. Ein internationales Forscherteam will nun die Effektivität von Chemotherapien bei Brust- und Eierstockkrebs erhöhen.
    foto: www.corn.at , heribert corn

    Therapieresistente Tumoren sind die häufigste Todesursache bei Patienten mit metastasierten Krebserkrankungen. Ein internationales Forscherteam will nun die Effektivität von Chemotherapien bei Brust- und Eierstockkrebs erhöhen.

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