100 Jahre Miami Beach: Mangroven mag man eben

24. März 2015, 11:32
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Am 26. März 1915 gründeten Visionäre auf einer rund elf Kilometer langen mangrovenbewachsenen Sandbank die Stadt Miami Beach mit dem Ziel, die Insel zur Touristenattraktion zu machen. Abgesehen von einem kurzen Intermezzo als Drogenmetropole ist die Rechnung aufgegangen

Sexy und gefährlich - das war lange der Ruf von Miami Beach. Das in den 1970er- und 80er-Jahren aufgekommene Image als Drogenmetropole ist die Stadt im US-Bundesstaat Florida inzwischen wieder los. In nur 100 Jahren hat sich die Insel vom Mangrovenwald zum Zufluchtsort für Sonnenhungrige, Nachtschwärmer und Prominente gemausert.

"Es ist die unglaublichste Entstehungsgeschichte einer Stadt in den USA", sagt der Historiker Seth Bramson. Am 26. März 1915 gründeten einige Visionäre und Unternehmer auf der rund elf Kilometer langen mangrovenbewachsenen Sandbank die Stadt Miami Beach mit dem Ziel, die Insel zur Touristenattraktion zu machen.

Al Capone und Fotoshootings

Ihre Vision sollte sich erfüllen: Inzwischen wurde Miami Beach sogar um einige kleinere Inseln künstlich erweitert. Zahlreiche Prominente haben dort ein Anwesen - zum Beispiel die exilkubanische Sängerin Gloria Estefan sowie der Basketballstar Shaquille O'Neal. Auch der Mafioso Al Capone war einst in Miami Beach zu Hause. Sein Anwesen wird gerade für rund 1,6 Millionen Euro renoviert und soll später für Fotoshootings vermietet werden.

foto: ap / alan diaz
Das Anwesen von Al Capone wird gerade für rund 1,6 Millionen Euro renoviert und soll später für Fotoshootings vermietet werden.

"Es ist eine der buntesten Geschichten, die eine Stadt haben kann", sagte Bürgermeister Philip Levine. Selbst die Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren konnte der Stadt kaum etwas anhaben: Hotels sprossen aus dem Boden und schafften Arbeitsplätze.

Während des Zweiten Weltkrieges prägten statt der Sommerurlauber Soldaten das Stadtbild. Der Touristenort wurde zum Übungsplatz für US-Truppen. Mehr als 60 Prozent der Kampfflieger hätten in Miami Beach trainiert, sagt Bramson. Die pastellfarbenen Hotels im Art-Déco-Stil, einst von renommierten Architekten gebaut, wurden in jener Zeit zu Kasernen umfunktioniert.

Höhen und Tiefen

"Es war eine Geschichte mit Höhen und Tiefen", sagt Bürgermeister Levine über Miami Beach. Die 1950er-, 60er- und 70er-Jahre zählen zu den glanzvollen Zeiten der Stadt, als Frank Sinatra und Elvis Presley im Luxushotel Fontainebleau auf der Bühne standen.

Im Luxushotel Fontainbleau standen Frank Sinatra und Elvis Presley auf der Bühne.

Auch der spätere Weltmeister im Schwergewicht Muhammad Ali verlieh der Insel Ruhm. Noch unter bürgerlichen Namen, als Cassius Clay, trainierte er in der bekannten Boxschule "Fifth Street Gym".

Verlorenes Paradies

Doch in den 70er- und 80er-Jahren begann in großen Mengen Kokain aus Südamerika nach Florida zu fließen, die Mordrate verdreifachte sich. Die geografische Lage des südlichen Floridas sei ideal für die Drogenrouten, erklärt Jorge Zamanillo vom Museum History Miami. Das Touristenparadies wurde zur Drogenmetropole. Schnell formten sich Gangs, Gewalt war die Folge. Die Zeitschrift "Time" schrieb auf ihrem Titelblatt sogar vom "Verlorenen Paradies".

Im Touristenzentrum South Beach wurden die Art-Déco-Gebäude während der 1980er-Jahre mit öffentlichen und privaten Mitteln restauriert.

Damals entstanden auf dem Festland die ersten Wolkenkratzer, auf der Insel wurden im Touristenzentrum South Beach die Art-Déco-Gebäude mit öffentlichen und privaten Mitteln restauriert. Doch: Das Geld für viele dieser Bauvorhaben stammte aus dem Drogenhandel, sagt Zamanillo. Dies ist auch Grund dafür gewesen, dass dieser teilweise toleriert worden sei. Als Unschuldige Opfer der Drogengewalt wurden, seien die Behörden schließlich eingeschritten.

Imagepolitur durch "Miami Vice"

Auch in der TV-Serie "Miami Vice" (1984-89) ermittelten die Agenten Crockett (Don Johnson) und sein Kollege Tubbs (Philip Michael Thomas) verdeckt gegen Drogenbosse, Waffenschieber und Zuhälter. Die Serie wurde zum Hit und schaffte es sogar, den Ruf der Region wieder aufzupolieren.

"Jeder wollte auf einmal dieses Leben mit den Autos, den Hotels, den Frauen, dem Strand und dem tropischen Lebensstil", sagt Jorge Zamanillo vom Museum History Miami.

"Plötzlich hatte Miami ein neues, anziehendes Image - sexy und gefährlich", erinnerte sich Zamanillo. "Jeder wollte auf einmal dieses Leben mit den Autos, den Hotels, den Frauen, dem Strand und dem tropischen Lebensstil." Seit den 90er-Jahren gilt Miami Beach wieder als angesagtes Urlaubsziel. Der Tourismus ist die größte Einnahmequelle. (saum, APA, derStandard.at, 24.03.2015)

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