Rätsel um Sternexplosion von 1670 gelöst

23. März 2015, 18:31
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Vor 345 Jahren erspähten Astronomen einen neuen Stern. Das Objekt galt als erste beobachtete Sternexplosion, doch nun gibt es eine andere Erklärung

Bonn/Wien - "Nova sub capite Cygni", notierte der berühmte Astronom Hevelius am 25. Juli 1670. Auf Deutsch: Er hatte einen neuen Stern unter dem Kopf des Sternbilds Schwan beobachtet. Heutige Astronomen kennen das besondere Objekt eher unter dem Namen Nova Vul 1670, und es galt lange als erste je beobachtete Sternexplosion.

Bei den ersten Beobachtungen im Jahr 1670 war diese Nova (neuer Stern) mit bloßem Auge am Himmel sichtbar. In den nächsten beiden Jahren kam es zu starken Helligkeitsschwankungen, und danach verschwand das Objekt, leuchtete noch zweimal auf, ehe es endgültig für das bloße Auge unsichtbar wurde.

Die historischen Aufzeichnungen des Phänomens am Sternenhimmel waren zwar recht genau. Die Astronomen tappten aber natürlich lange im Dunkeln, was hinter dem neuen Stern steckte, der wieder verschwand. Während des 20. Jahrhunderts kamen Forscher zu dem Schluss, dass die meisten Novae als explosive Ausbrüche in engen Doppelsternsystemen erklärt werden können.

Seltene Kollision

"Das Objekt galt für viele Jahre als Nova, aber je länger es untersucht wurde, desto weniger sah es nach einer gewöhnlichen Nova oder irgendeiner anderen Art von explodierendem Stern aus", sagt Tomasz Kaminski. Er hat nun gemeinsam mit Kollegen und modernsten Teleskopen die Überreste von Nova Vul 1670 untersucht, um zu klären, was hinter dem seltsamen Phänomen steckt.

Wie das Team im Fachblatt Nature berichtet, ist die Masse des kalten Gases, das sich heute an dieser Stelle findet, zu groß, um in einem Nova-Ausbruch entstanden zu sein. Aber wenn es keine Nova war, was könnte es dann gewesen sein?

Die Antwort liegt in einer seltenen und spektakulären Kollision zweier Sterne, die leuchtkräftiger ausfällt als der Ausbruch einer Nova, aber nicht ganz so hell ist wie eine Supernova. Bei diesem extrem raren Ereignis explodiert ein Stern aufgrund des Zusammenstoßes mit einem weiteren Stern, Materie aus dem Innersten des zerstörten Sterns wird in die Umgebung hinausgeschleudert. "Diese Art von Entdeckungen macht am meisten Spaß", sagt Koautor Karl Menten: "Etwas, das vollkommen unerwartet kommt." (Klaus Taschwer, DER STANDARD, 24.3.2015)

  • Der neue Stern (Nova) unter dem Kopf  des Sternbilds Schwan, beobachtet vom Astronomen Hevelius. Statt einer  Sternexplosion dürfte ein noch sehr viel selteneres Ereignis hinter dem  Phänomen stecken.
    illu: royal society

    Der neue Stern (Nova) unter dem Kopf des Sternbilds Schwan, beobachtet vom Astronomen Hevelius. Statt einer Sternexplosion dürfte ein noch sehr viel selteneres Ereignis hinter dem Phänomen stecken.

  • Das Bild zeigt die Überreste des im Jahr 1670 beobachteten neuen Sterns. Es wurde durch die Überlagerung eines Bildes im sichtbaren Licht mit dem Gemini-Teleskop (blau), einer Submillimeterkarte der Staubverteilung mit dem SMA (grün) sowie einer Karte der molekularen Emission von APEX und dem SMA (rot) erzeugt.
    foto: eso/t. kamiński

    Das Bild zeigt die Überreste des im Jahr 1670 beobachteten neuen Sterns. Es wurde durch die Überlagerung eines Bildes im sichtbaren Licht mit dem Gemini-Teleskop (blau), einer Submillimeterkarte der Staubverteilung mit dem SMA (grün) sowie einer Karte der molekularen Emission von APEX und dem SMA (rot) erzeugt.

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