Steiermark: SPÖ hat nur noch Franz Voves als "Ass im Ärmel"

23. März 2015, 17:16
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Der SPÖ bleibt nur noch wenig Zeit, die schweren Verluste bei der Gemeinderatswahl in ihren Kerngebieten bis zur Landtagswahl im Mai wettzumachen

Graz - Toni Vukan, der neue rote Bürgermeister im früher tiefschwarzen Mureck weiß, wie es geht: "Es darf dir kein Weg zu lang, kein Kuhstall zu finster sein. Du musst überall hineingehen."

Vukan eroberte am Sonntag bei den steirischen Gemeinderatswahlen auf Anhieb für die SPÖ die absolute Mehrheit in einem traditionellen ÖVP-Kerngebiet in der Südoststeiermark. "Ich bin ganz bewusst in die schwärzesten Stadtteile gegangen, und dann haben sie gesehen, dass auch ein Roter mit Messer und Gabel essen kann. Im Ernst: Man sieht einfach, die Strukturen brechen auf", sagt Vukan im Standard-Gespräch.

Seine SPÖ-Liste, mit der er als Bürgermeisterpartei in die Fusionsgemeinde Mureck einzieht, besteht aus Bürgern aller Gesellschaftsschichten. "Ich hab niemanden nach einem Parteibuch gefragt", sagt Vukan.

Parteistrukturen brechen auf

Das von Vukan beobachtete Aufbrechen der Parteistrukturen schlägt sich für seine Genossen in den Industriegebieten der Obersteiermark aber weiterhin negativ zu Buche. Dort hielt die Abwanderung zur FPÖ weiter an, und daran werde sich auch bei der kommenden Landtagswahl Ende Mai kaum etwas ändern, sagt Politikberater Thomas Hofer.

In den alten SPÖ-Hochburgen der Obersteiermark verlor die SPÖ etwa in Mürzzuschlag 8,2 Prozent und die Absolute, die FPÖ legte um 15,6 Prozent zu. 14 Prozent und die absolute Mehrheit gingen für die Roten in Bruck an der Mur verloren, die FPÖ wurde hier zweitstärkste Partei. Ein Minus von gar 26 Prozent verbuchten die Roten im weststeirischen Köflach, 34 Prozent in Gratkorn bei Graz.

SPÖ blickt besorgt Richtung Landtagswahl

In der SPÖ blickt man nun einigermaßen besorgt in Richtung Landtagswahl. "Der SPÖ bleibt im Grunde nur noch Franz Voves als Ass im Ärmel", sagt Politikexperte Thomas Hofer. Daher werde die Partei nun natürlich alles auf ihren Chef zuspitzen müssen.

ÖVP-Chef Hermann Schützenhöfer konnte am Sonntag leicht durchatmen. Ihm war prognostiziert worden, dass die Gemeindefusionen in erster Linie die Volkspartei treffen würden. Zwar kippten einige Bürgerlisten in rebellischen Gemeinden die Mehrheiten der dortigen ÖVP, im Großen und Ganzen hielten sich die Verluste aber in Grenzen. Die ÖVP wittert jetzt Morgenluft, und Schützenhöfer trat entsprechend mit geschwellter Brust am Wahlabend vor die Kameras. Auch wenn eigene Umfragen verheißen, dass er im Mai kaum an Voves herankommt, seit Sonntag gilt in der ÖVP die Parole: Die Hoffnung stirbt zum Schluss. So weit lagen SPÖ und ÖVP 2010 gar nicht auseinander. Lediglich 1,07 Prozent oder 7000 Stimmen. "Voves hat ja schon 2010 die SPÖ gerettet", sagt Hofer.

Nachfolgefrage ungelöst

"Die SPÖ hat nicht nur ein enormes strukturelles Problem, das sie nicht in den Griff bekommt, auch die Nachfolgefrage, die ja im Laufe der nächsten Periode akut wird, ist völlig ungelöst", sagt Hofer. In der ÖVP stünden mit dem Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl oder dem Spitalslandesrat Christopher Drexler potenzielle Nachfolger parat. "In der SPÖ ist niemand, der sich aufdrängt, in Sicht. Alles ist auf Voves fokussiert", sagt Hofer.

"Zeit der Parteiorganisationen ist vorbei"

Toni Vukan, der noch 2010 den Landtagswahlkampf als SPÖ-Landesgeschäftsführer führte, meint - auch in Richtung SPÖ: "Die Zeit der Parteiorganisationen ist vorbei, das hat sich überlebt. Die Menschen wollen Menschen haben, authentische, mit denen sie normal reden können. Sie wollen nicht warten, bis irgendwelche Bezirksausschusssitzungen irgendetwas entscheiden." (Walter Müller, DER STANDARD, 24.3.2015)

  • Die blaue Europabrücke im  obersteirischen Bruck an der Mur erhielt am Sonntag Symbolwirkung:  Die  Blauen wurden zweitstärkste Partei im Gemeinderat, die SPÖ verlor 14  Prozent und die Absolute.
    stadt bruck

    Die blaue Europabrücke im obersteirischen Bruck an der Mur erhielt am Sonntag Symbolwirkung: Die Blauen wurden zweitstärkste Partei im Gemeinderat, die SPÖ verlor 14 Prozent und die Absolute.

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