Wie sich Habitatfragmentierung auf die Biodiversität auswirkt

29. März 2015, 14:30
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Forscher untersuchten die Langzeitfolgen der zunehmenden Zersplitterung von Wäldern durch Infrastruktur und Agrarflächen

Raleigh - Die Fragmentierung von Wäldern kann die Vielfalt an Pflanzen und Tieren in den betroffenen Regionen binnen Jahrzehnten extrem verringern. Ein großer Teil der weltweiten Waldbestände werde inzwischen von Straßen oder Agrarflächen zerschnitten, schreiben US-Forscher im Fachblatt "Science Advances".

70 Prozent der bestehenden Forste befänden sich gerade einmal einen Kilometer vom Waldrand entfernt. "Eigentlich kann fast kein Wald mehr als Wildnis bezeichnet werden", sagte Studienerstautor Nick Haddad von der North Carolina State University in Raleigh.

Problematische Waldränder

Zusammenhängende Wälder werden in kleinere, inselartige Gebiete zerteilt, wenn Straßen gebaut oder Bäume für die Landwirtschaft gefällt werden. Speziell die dabei entstehenden Waldränder seien empfindliche Regionen, da dort landwirtschaftliche und urbane Einflüsse besonders stark wirken, so Haddad und Kollegen. Viele der weltweit verbliebenen Waldstücke umfassten weniger als zehn Hektar Fläche.

Dass die Abholzung von Wäldern gravierende Folgen für die Biodiversität hat, ist nicht neu. So ergab etwa eine Untersuchung der National University in Singapur, dass der Bau eines Stausees im südlichen Thailand und die folgende Fragmentierung der Forste dort binnen eines Vierteljahrhunderts zum Aussterben fast aller kleiner Säugetiere führte.

Die aktuelle Untersuchung berücksichtigt die Folgen auf fünf Kontinenten und über 35 Jahre hinweg betrachtet. Die Autoren analysierten beobachtete Auswirkungen, werteten die Resultate internationaler Langzeitstudien aus und erstellten eine Karte der globalen Bewaldung. Diese zeigt, dass nur noch wenige Gebiete - unabhängig davon, ob es sich um Wälder, Savannen oder Grasland handelt - nicht durch menschliche Aktivitäten beeinflusst sind.

Je kleiner, desto schlechter

Die Analyse der Forscher ergab, dass die Fragmentierung von Wäldern die regionale Vielfalt an Tieren und Pflanzen um 13 bis 75 Prozent reduzierte. Je kleiner und je isolierter ein Gebiet war, desto stärker war es in der Regel betroffen. Im Mittel halbiere sich die Biodiversität - was teilweise erst zwei Jahrzehnte nach der Zersplitterung feststellbar sei, schreibt das Team. Zudem führe sie langfristig zu immensen Veränderungen der Lebensräume, da die vorhandene Biomasse reduziert werde und sich die Nährstoffkreisläufe nachhaltig veränderten.

Erschreckend sind die erfassten Folgen demnach vor allem langfristig betrachtet. "Sie werden über die Zeit sogar noch massiver", so Haddad. In der Konsequenz sollten noch vorhandene großflächige Lebensräume besser geschützt und Korridore zwischen zersplitteten Regionen geschaffen werden. Letztlich drohe mit der Fragmentierung nicht nur Tieren und Pflanzen, sondern auch dem Menschen Schaden. (APA, 29.3.2015)

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