Machtkampf zwischen Immofinanz und CA Immo

23. März 2015, 20:12
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Immofinanz bietet 18,50 Euro für bis zu 29 Prozent - CA Immo hält Gegenangebot für "emotionale Reaktion"

Wien/Frankfurt - Die österreichischen Immobilienfirmen Immofinanz und CA Immo ringen um die Vorherrschaft in einem gemeinsamen Konzern. Zwar sind die Führungsspitzen beider Unternehmen einig, dass eine engere Kooperation bis hin zu einer späteren Fusion sinnvoll ist. Streitpunkt ist jedoch, wer dabei wen übernimmt. Dem Sieger winkt als Prämie die Kontrolle über zwei Unternehmen, die zusammen Gewerbeimmobilien in Deutschland, Österreich und Osteuropa im Wert von rund zehn Milliarden Euro besitzen.

Ausgetragen wird der Machtkampf über wechselseitige Angebote an die Aktionäre des Konkurrenten - mit dem Ziel sich in einem ersten Schritt einen Minderheitsanteil zu sichern: Immofinanz kündigte am Montag eine bis zu 530 Millionen Euro schwere Offerte für maximal 29 Prozent an CA Immo an. Falls möglich, wolle Immofinanz bereits damit Kontrolle über CA Immo erlangen, sagte Vorstandschef Eduard Zehetner. Möglich sei das etwa über eine Hauptversammlungsmehrheit oder einen Beherrschungsvertrag. Die CA-Immo-Aktie legte daraufhin bis zu fünf Prozent auf 18,43 Euro zu - lag damit aber unter dem Angebotspreis von 18,50 Euro.

Immofinanz reagierte mit seinem Angebot auf einen Vorstoß von CA Immo und des russischen Immo-Großaktionärs Boris Mints: Sie hatten vergangene Woche ein gut 420 Millionen Euro schweres Angebot für 13,5 Prozent der Immofinanz-Aktien in Aussicht gestellt. Weitere drei Prozent besitzt CA Immo bereits.

"Da wedelt nicht der Schwanz mit dem Hund"

Beide Firmen sind an der Wiener Börse notiert. Dort ist Immofinanz mit einer Marktkapitalisierung von 3,1 Milliarden Euro knapp doppelt so viel wert wie CA Immo mit 1,7 Milliarden Euro. Aus Sicht von Immofinanz-Chef Eduard Zehetner sei es daher folgerichtig, wenn das größere das kleinere Unternehmen kaufe. "Da wedelt nicht der Schwanz mit dem Hund, sondern es ist alles in der Ordnung, wie man es haben sollte", sagte er.

CA Immo sieht das anders: Das Gegenangebot der Immofinanz sei eine "emotionale Reaktion" auf die eigene Offerte. Zudem habe Immofinanz andere Dinge zu tun: "Angesichts der aktuellen Herausforderungen in Russland, die sich auch in den kürzlich veröffentlichten, enttäuschenden Ergebnissen zum dritten Quartal gezeigt haben, sehen wir als derzeitiger 3-Prozent-Aktionär der Immofinanz aktuell andere Prioritäten für die Immofinanz."

Immofinanz besitzt fünf Einkaufszentren im Umland von Moskau. Das unter den Sanktionen des Westens im Zuge der Ukraine-Krise leidende Russland ist damit der mit Abstand größten Einzelmarkt. CA Immo konzentriert sich hingegen auf Bürohäuser in wirtschaftlich stabileren Ländern wie Deutschland und Österreich sowie in Teilen Osteuropas.

Der russische CA-Immo-Großaktionär Mints erklärte über sein Unternehmen O1, er wolle das Teilangebot der Immofinanz nicht annehmen und seine CA-Immo-Aktien lieber behalten. Zudem sei er gegen eine Fusion der beiden Unternehmen. (Reuters, 23.3.2015)

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