Schmiergelder: Athen will deutsche Firmen klagen

23. März 2015, 08:55
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Vor dem Treffen von Tsipras und Merkel sorgen Medienberichte für Unruhe

Athen - Kurz vor dem Deutschland-Besuch des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras sorgen Medienberichte über Schmiergeldzahlungen deutscher Firmen in Griechenland und angeblich vergleichsweise hohe Pensionszahlungen in dem Land für Unruhe.

Die "Bild"-Zeitung (Montagausgabe) berichtete, die griechische Regierung fordere mehr als 100 Millionen Euro Entschädigung von deutschen Firmen, weil diese Schmiergelder an Politiker des Landes gezahlt hätten, um Rüstungsgeschäfte zu ermöglichen. In einem "Handelsblatt"-Bericht war davon die Rede, dass die griechischen Durchschnittspensionen trotz der deutlich niedrigeren Leistungsfähigkeit der Wirtschaft des Landes nur wenig unter dem deutschen Niveau liegen würden.

Drei deutsche Firmen unter Verdacht

"Bild" berief sich auf ihr vorliegende Dokumente aus dem Verteidigungsministerium in Athen. So sollen beim Kauf von 20 Hubschraubern 41 Millionen Euro Schwarzgeld geflossen sein. Drei deutsche Firmen sollen den Verkauf von U-Booten angeblich mit 62 Millionen Euro Schmiergeld gefördert haben. Zusätzlich untersuche das griechische Verteidigungsministerium 14 weitere Fälle, auch Geschäfte mit Leopard-Kampfpanzern. Die Zeitung zitierte einen Regierungsbeamten: "Die Gesamtforderung wird am Ende mehrere Hundert Millionen Euro betragen."

Riesige Unterschiede bei Pensionen

Nach Handelsblatt-Informationen aus dem Kreis der Troika-Institutionen EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank liegen die Pensionen in Griechenland überraschend hoch. So soll die Standardpension - wenn über die volle Beitragszeit eingezahlt wurde - in Griechenland mit 80 Prozent des Durchschnittslohnes bei rund 1100 Euro liegen. Das sei nur geringfügig weniger als in Deutschland. Allerdings seien die Unterschiede drastisch. Nach einem Bericht des griechischen Arbeitsministeriums müsse jeder fünfte griechische Pensionist mit weniger als 500 Euro im Monat auskommen.

Griechische Medien sahen vor Tsipras' Besuch in Berlin einen Hoffnungsschimmer. "Berliner Stunde für die (Reform)Liste Tsipras - Der Plan der Reformen und die zerbrechlichen Beziehungen auf der Tagesordnung mit der Kanzlerin", titelte die Zeitung der politischen Mitte, "Ta Nea". Tsipras plane, eine Liste mit Reformen zu präsentieren. Er versuche damit, die Unterstützung Berlins für eine normale Fortsetzung der Finanzhilfen zu erhalten, meint das Blatt.

Das Boulevardblatt "Ethnos" schreibt auf der Titelseite: "Verabredung Merkel -Tsipras in Berlin. Alles auf dem Tisch".

"Hier hast du die Liste - gib (das) Geld her", das werde Tsipras der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montagabend sagen, titelt das linke Blatt "Efimerida ton Syntakton." Tsipras wolle die Kanzlerin davon überzeugen, dass er den politischen Willen habe, die Reformen umzusetzen. (APA/Reuters, 23.3.2015)

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