Idyllische Attersee-Impressionen

23. März 2015, 07:11
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Klimt-Ucicky-Foundation übernimmt Klimt-Zentrum am Attersee

Kammer/Wien - Die Lage an der Uferpromenade, gleich am Zugang zu Schloss Kammer am Attersee, ist durchaus idyllisch. Sie ist vielleicht das größte Atout des Gustav-Klimt-Zentrums (GKZ), betont Leo Gander, Schriftführer des Vereines "Klimt am Attersee" und Geschäftsführer des Regionalentwicklungsvereins Attersee-Attergau (Regatta), der über ein EU-Programm zwischen 2007 und 2013 71 Projekte im Wertumfang von 3,77 Millionen Euro förderte.

Das GKZ, einer der Profiteure, hatte einmalig 210.000 Euro zugeschossen bekommen: zur Errichtung, für Marketingmaßnahmen und für die Reproduktion der im Mak-Bestand befindlichen Entwurfszeichnung des Klimt'schen Stoclet-Frieses. Das multifunktionale Gebäude hatte Grundstückseigentümer Erich Kaniak spendiert, Apotheker, Betreiber eines Klimt-Shops, Verpächter des Klimt-Cafés im Erdgeschoß und Vermieter des Dokumentationszentrums im Obergeschoß.

Das Konzept stammte von Peter Weinhäupl, Gründungs- und Vorstandsmitglied des Klimt-Vereins und nunmehr scheidender kaufmännischer Direktor des Leopold-Museums (LM). Letzteres unterstützte bisher mit fachlichem Know-how und personellen Ressourcen: Diese Leistungen wurden laut Weinhäupl über das EU-Projekt abgerechnet.

Zur feierlichen Eröffnung anlässlich des 150. Geburtstages von Gustav Klimt kamen im Juli 2012 etwa Landeshauptmann Josef Pühringer, drei Bundesminister, der gesamte Vorstand der LM-Privatstiftung. Unter den Gästen war auch Ursula Ucicky, Eigentümerin einiger Klimt-Werke zweifelhafter Provenienz, die als Leihgaben bei der Eröffnungsausstellung zu sehen waren. Ein gutes Jahr später gründete die Witwe des NS-Propagandaregisseurs Gustav Ucicky die Klimt-Foundation, in die sie die teils problematischen Werke und ein zweistelliges Millionenvermögen einbrachte. Letzteres resultierte aus dem Verkauf von Klimts Wasserschlangen II um 120 Millionen Dollar, der mit einer Einigung mit den Erben nach Jenny Steiner verknüpft war.

Interessenkonflikte

Zum Vorstandsvorsitzenden auf Lebenszeit berief sie Peter Weinhäupl - seither ist er der Diskussion um etwaige Interessenkonflikte zu seiner LM-Funktion ausgesetzt. Neue Nahrung bekam sie, als im Juni 2014 bekannt wurde, dass er aus dem Wasserschlangen-Deal Provision bezogen hatte. Seit September ist erwiesen, dass sechs Klimt-Werke (Gemälde Gertrud Loew, Zeichnungen) aus dem Foundation-Bestand an die Erben nach Felsövanyi restituiert werden müssten, wäre das Bundeskunstrückgabegesetz anwendbar. Seit Monaten heißt es, der unmittelbare Verhandlungsabschluss stünde bevor.

Mit der "freiwilligen Entscheidung", seinen Vertrag im Leopold-Museum nicht zu verlängern, habe die Foundation nichts zu tun, erklärt Weinhäupl auf STANDARD-Anfrage. Auch mit dem GKZ nicht, das sich trotz jährlicher Subventionen längst als "wirtschaftlich nicht überlebensfähig" herausstellte. Im Eröffnungsjahr kamen noch 16.000 Besucher, zuletzt schrumpfte die Zahl auf etwa die Hälfte.

Ein Saisongeschäft, sagt Weinhäupl, das künftig nur mehr von Ostern bis Ende Oktober betrieben werde - von der Klimt-Foundation, die ab sofort das fachliche Know-how beistellt. Eine weitere Kooperation mit dem Leopold-Museum schließt Weinhäupl nicht aus, überlässt die Entscheidung aber seinem Nachfolger. Bisher entsandte das Museum jährlich ein Klimt-Original (2012 Am Attersee; 2013 Ein Morgen am Teiche; 2014 Die große Pappel II) an den Attersee und kassierte dafür Leihgebühren - "etwa 10.000 Euro". Heuer zeigt man Freundinnen I aus dem Bestand der Foundation. (Olga Kronsteiner, DER STANDARD, 23.3.2015)

  • Feierliche Eröffnung des Gustav Klimt Zentrums am Attersee im Juli 2012: (v.l.n.r.) Reinhold Mitterlehner (damals Wirtschaftsminister), Elisabeth Leopold (Vorstand Leopold Museum), Landeshauptmann Josef Pühringer, Maria Fekter (damals Finanzministerin) und Initiator Peter Weinhäupl (kaufmännischer Direktor des Leopold Museums).
    foto: thomas leitner

    Feierliche Eröffnung des Gustav Klimt Zentrums am Attersee im Juli 2012: (v.l.n.r.) Reinhold Mitterlehner (damals Wirtschaftsminister), Elisabeth Leopold (Vorstand Leopold Museum), Landeshauptmann Josef Pühringer, Maria Fekter (damals Finanzministerin) und Initiator Peter Weinhäupl (kaufmännischer Direktor des Leopold Museums).

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