Vielfältige Einfalt

Einserkastl22. März 2015, 16:00
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Mehrsprachigkeit als Phänomen unserer Zeit

Das Thema Mehrsprachigkeit hat immer wieder zu Absurditäten geführt. Die einen buddelten missliebige, weil undeutsche Ortstafeln aus patriotischem Bestemm wieder aus, andere ließen sicherheitshalber erst gar keine zu, vermutlich, um sich das anschließende Ausbuddeln gleich zu ersparen. Plakatweise wird in gebrochenem Deutsch das Beherrschen der Landessprache gefordert.

Das öffentliche Hinuntermachen von Zugewanderten als Parteiprogramm führt zu verbalen Entgleisungen im öffentlichen Raum. Gestärkt durch tolerierte Abwertung, werden mehrsprachige Menschen, die es wagen, sich gerade nicht auf Deutsch zu unterhalten, schon einmal angefahren, sie mögen diese Widerwärtigkeit augenblicklich einstellen.

Der Makel der Einsprachigkeit, die zur Norm erhoben wird, ist nicht mit Bedrängen der Mehrsprachigkeit heilbar. Es besteht offenbar tiefverwurzelte Sorge, der Schulhof könnte zum Turmbau zu Babel werden. Das angedachte Verbot von Muttersprachen an Schulen zeugt von solchen Ängsten. Ob die neueste - offenbar nach Medienberichten wieder zurückgezogene - Empfehlung der Vienna Business School, sich nur in gesichertem Abstand zu seinen Mitmenschen in anderer als der Unterrichtssprache zu äußern, um zart Besaitete nicht zu beleidigen, sich auch auf Dialekte aller Art erstreckt, ist vorläufig nicht bekannt. (Julya Rabinowich, DER STANDARD, 23.3.2015)

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