Baumgartner abgelöst, Ogris übernimmt

Infografik22. März 2015, 13:45
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Austria Wien zieht Konsequenzen aus dem siebenten Tabellenplatz und setzt ab sofort auf einen neuen Trainer

Wien - Am Samstag, es war circa 18 Uhr, musste Trainer Gerald Baumgartner noch einmal ein Spiel der Wiener Austria analysieren. Der 50-Jährige ist prinzipiell Kummer gewöhnt, im konkreten Fall konnte er nichts schönreden. Zu hässlich ist die 0:1-Niederlage daheim in der Generali-Arena gegen die SV Ried gewesen. Er sagte, wohl wissend, dass es sich um ein Abschiedsstatement handelt: "Eine sehr bittere Niederlage. Je länger es 0:0 gestanden ist, desto ideenloser waren wir. Die Frage, ob ich Austria-Trainer bleibe, kann ich nicht beantworten. Ich stehe jeden Tag auf, um das Beste zu geben."

Am Sonntag, kurz nach 14 Uhr, war die Beurlaubung des Trainers und dessen Assistent Renato Gligoroski offiziell, die Frage also beantwortet. Da auch beim Siebenten der österreichischen Fußballbundesliga Amtswege eingehalten, Vorstand, Präsidium und Aufsichtrat informiert werden müssen, hat sich die Entscheidung ein bisserl hinausgezögert. Wirtschaftsvorstand Markus Kraetschmer und Sportdirektor Franz Wohlfahrt stießen jedenfalls auf offene Ohren, das Ende der kurzen Ära Baumgartner wurde einstimmig beschlossen. Klublegende Andi Ogris, verantwortlich für die Amateure, wurde zum interimistischen Nachfolger bestellt. Kraetschmer sagte dem Standard: "Die Betonung liegt auf interimistisch. Ogris soll Impulse setzen und dann wieder in den alten Job zurückkehren."

Verschleiß

Wohlfahrt wurde beauftragt, für die nächste Saison einen neuen Chefcoach zu suchen. Der Austria droht erneut das Verpassen des Europacups. Kraetschmer: "Natürlich hätte das wirtschaftliche Auswirkungen. Bei den Sponsoren und auch bei neuen Spielern, die bei uns im Fokus stehen. Gute Leute verzichten nicht gerne auf das internationale Geschäft."

Kraetschmer zur Trennung von Baumgartner: "Wir bedauern diesen Schritt, natürlich ist das keine schöne Situation für alle Beteiligten. Baumgartner ist ein akribischer Arbeiter, wir wünschen ihm alles Gute. Jetzt ist aber der Zeitpunkt, wo wir ein Zeichen setzen mussten, um die sportliche Talfahrt zu stoppen."

Seit 1990 hat die Austria lediglich 30 Trainer verschlissen, in den vergangenen 14 Monaten waren es drei, Ogris ist der vierte. Nach dem Meistertitel mit Peter Stöger, der freiwillig nach Köln wechselte, haben es Nenad Bjelica, Herbert Gager und eben Baumgartner versucht. Kraetschmer: "Drei unterschiedliche Trainer hatten kaum Erfolge, sind nicht angekommen. Die PS, die die Austria durchaus hat, wurden aus unterschiedlichen Gründen nicht auf die Straße gebracht. Wir müssen analysieren, vielleicht sind auch bei der Kaderzusammenstellung Fehler passiert, die Spieler tragen ebenfalls Verantwortung." Ziel sei es, "rasch auf die Straße des Erfolgs zurückzukehren".

"Die Sprache der Fußballer"

Der 50-jährige Ogris wird am Montagnachmittag das erste Training leiten. Die Länderspielpause könnte ein Vorteil sein, man kann sich aneinander gewöhnen. Der nächste Gegner könnte freilich ein Nachteil sein, denn am 4. April steht die Prüfung bei Red Bull Salzburg an. Der Meister hat sich übrigens in Wolfsberg blamiert (2:3), Adi Hütter darf aber Trainer bleiben. Wohlfahrt über seinen Spezi Ogris: "Er spricht die Sprache der Fußballer."

Baumgartner war im Mai 2014 gekommen. Als dritte Wahl nach Hütter sowie den vom 1. FC Köln nicht losgeeisten Manfred Schmid. Einen guten Ruf hatte er sich durch den Cupsieg 2013 mit Regionalligist Pasching und den Einzug ins Cupfinale 2014 mit Zweitligist St. Pölten erarbeitet. "Ich habe noch nie eine Mannschaft in den Keller geführt. Meine Teams sind immer besser geworden", hatte er bei der Präsentation als Trainer der Austria noch gesagt. (hac, APA, DER STANDARD, 23.3.2015)

  • Gerald Baumgartner wird bei der Austria nicht mehr an der Seitenlinie stehen.
    foto: apa/oczeret

    Gerald Baumgartner wird bei der Austria nicht mehr an der Seitenlinie stehen.

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