UN-Sicherheitsrat fordert Houthi-Rebellen zum Rückzug auf

22. März 2015, 12:18
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USA ziehen Soldaten und letzte Diplomaten aus dem Jemen ab - Präsident Hadi erklärt Aden zur Interims-Hauptstadt

New York/Sanaa - Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat angesichts des drohenden Bürgerkriegs im Jemen ein Ende der Feindseligkeiten gefordert. Das Gremium verurteilte in einer am Sonntag verabschiedeten Erklärung zudem die schiitische Houthi-Miliz, die einen großen Teil des Landes unter ihre Kontrolle gebracht hat.

Der Rat forderte die Rebellen auf, sich zurückzuziehen und bekräftigte seine Unterstützung für Präsident Abd-Rabbu Mansur Hadi. Er drohte zudem mit "weiteren Maßnahmen" gegen jegliche Beteiligte. Im November hatte das Gremium Sanktionen gegen zwei Houthi-Anführer und Hadis Vorgänger Ali Abdullah Saleh verhängt.

UN-Vermittler Jamal Benomar sagte den 15 Mitgliedern des Sicherheitsrats, der Jemen sei an den Rand eines Bürgerkriegs gedrängt worden. Es drohe ein langwieriger Konflikt mit einem "Irak-Libyen-Syrien"-Szenario.

Die Lage im Jemen ist eskaliert, nachdem bei Bombenanschlägen in der von den Houthi kontrollierten Hauptstadt Sanaa am Freitag mehr als 130 Menschen getötet wurden. Über das Wochenende nahmen die Houthi mit Tais dann eine weitere strategisch wichtige Stadt ein. Die USA zogen ihre letzten Militärangehörigen wegen der unsicheren Lage ab. Ihre Botschaft haben die Amerikaner ebenso wie die europäischen Staaten schon vor längerer Zeit geschlossen. Der Machtkampf im Jemen droht sich zu einem Bürgerkrieg auszuweiten, in den auch die benachbarten und miteinander rivalisierenden Regionalmächte Saudi-Arabien und Iran hineingezogen werden könnten.

Bei den schlimmsten Attentaten, die die Hauptstadt Sanaa bisher erlebte, waren am Freitag 142 Menschen getötet worden. In den Moscheen, die von Anhängern der in Sanaa herrschenden schiitischen Houthi-Miliz besucht werden, hatten sich vier Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Erstmals bekannte sich der sunnitische IS zu Anschlägen im Jemen. Diese seien "nur die Spitze des Eisbergs", erklärte die Organisation.

Hadi verurteilt Anschläge

Hadi verurteilte die "terroristischen, kriminellen und feigen" Anschläge. Die Houthi-Miliz sprach von einem "Krieg gegen das jemenitische Volk". Die Extremisten von Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP), die sowohl Hadi als auch die Houthi bekämpfen und sich mit dem IS einen Wettstreit um die Vorherrschaft im Jemen liefern, erklärten, sie verübten keine Anschläge auf Moscheen.

Im Jemen herrschen seit Jahren politisches Chaos und Gewalt. Die Houthi-Miliz war seit Sommer vergangenen Jahres auf Sanaa vorgerückt, im Jänner übernahm sie mit der Einnahme des Präsidentenpalastes die Kontrolle über die Hauptstadt. Hadi floh Ende Februar in die südliche Küstenstadt Aden.

Am Sonntag schlugen die Houthi-Rebellen nach Angaben aus Sicherheitskreisen auch in der Stadt Taiz die Regierungstruppen zurück und übernahmen die Kontrolle über den Flughafen. Unterstützt wurden sie demnach von Spezialkräften des 2012 entmachteten Präsidenten Ali Abdallah Saleh.

USA ziehen ab

Angesichts der eskalierenden Gewalt zogen die USA Soldaten und ihre verbliebenen Diplomaten aus dem Jemen ab. Das Militärpersonal habe den Luftwaffenstützpunkt Al-Anad im Süden des Landes "mit unbekanntem Ziel" verlassen, hieß es aus jemenitischen Armeekreisen. Auch die letzten Botschaftsmitarbeiter wurden außer Landes gebracht, wie das US-Außenministerium mitteilte.

Die jemenitische Regierung hatte kürzlich eingeräumt, dass die US-Armee von Al-Anad aus Informationen über Ziele für Drohnenangriffe gegen Al-Kaida sammelte. Der Jemen gehörte in der Region bisher zu den engsten Verbündeten der USA, wegen der anhaltenden Unruhen im Land hatte Washington seine Botschaft in Sanaa aber schon vor Wochen geschlossen.

Der UNO-Sicherheitsrat berief für Sonntagnachmittag eine Dringlichkeitssitzung zur Lage im Jemen ein. Um das Treffen hatte Präsident Hadi gebeten. In einem Brief an das höchste UNO-Gremium bat er die Weltgemeinschaft um ein "dringendes Eingreifen mit allen verfügbaren Mitteln".

Die Anschläge in Sanaa waren international scharf verurteilt worden - auch vom Iran, der verdächtigt wird, die Houthi-Rebellen im Konflikt mit Hadi zu unterstützen. In der ersten Fernsehansprache seit seiner Flucht zeigte sich Hadi am Samstag jedoch unnachgiebig: Die Jemeniten - "ganz gleich ob Sunniten oder Schiiten" - würden die Unterstützung des Iran für die Houthi-Rebellen "nicht hinnehmen". (APA/Reuters, 22.3.2015)

  • Soldaten der Armee Jemens an einer Straßensperre in der Hauptstadt Sanaa
    foto: epa/yahya arhab

    Soldaten der Armee Jemens an einer Straßensperre in der Hauptstadt Sanaa

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