Papst Franziskus in Mafia-Hochburg Scampia

21. März 2015, 18:28
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Menschenmenge feiert den Pontifex

Neapel/Vatikanstadt - Bei einer Begegnung mit Häftlingen hat Papst Franziskus am Samstag in Neapel die Zustände in den italienischen Gefängnissen kritisiert. Viel zu oft seien die Lebensbedingungen der Insassen unwürdig, sagte das Kirchenoberhaupt bei einem Besuch im Hauptgefängnis der Region, der Strafanstalt von Poggioreale mit 1.200 Häftlingen.

Nach der Haft fehle es an Möglichkeiten, den Weg zurück in die Gesellschaft zu finden, bemängelte Franziskus zudem. Er lobte in diesem Zusammenhang die Arbeit von Sozialarbeitern und Priestern, die Ex-Häftlingen bei der sozialen Wiedereingliederung zur Seite stünden. An dieser Arbeit könne die ganze Gesellschaft wachsen. Den Häftlingen sprach der Papst Mut zu. Gott verzeihe immer, wenn ein Mensch schlechte Taten aufrichtig bereue.

Imbiss im Gefängnis

Franziskus speiste im Gefängnis mit 90 Insassen. Darunter waren auch mehrere Transsexuelle und HIV-Infizierte. Nach dem Besuch in der Strafanstalt traf der Papst einige Priester der Erzdiözese im Dom von Neapel. Dort verehrte er die Blutreliquie des Heiligen Januarius, des Stadtpatrons der Vesuvstadt. Danach gab es Treffen mit Jugendlichen.

Vor dem Besuch in der Haftanstalt hatte Franziskus mit rund 50.000 Gläubigen im Zentrum von Neapel auf der Piazza del Plebiscito in Neapel einen Gottesdienst gefeiert. In der Früh hatte der Pontifex eine Wallfahrtskirche im benachbarten Pompeji besucht. Im Neapel-Viertel Scampia wandte sich der Heilige Vater auch gegen informelle und schlecht bezahlte Arbeitsverhältnisse.

Großdemonstration gegen die Mafia

Während der Papst die Stadt Neapel besuchte und Appelle zur Befreiung von der Camorra richtete, haben tausende Menschen in Bologna gegen die Mafia demonstriert und der Opfer des organisierten Verbrechens gedacht. Organisiert wurde die Versammlung von Pfarrer Luigi Ciotti, der mit seiner Bewegung "Libera" bereits seit Jahren gegen das organisierte Verbrechen kämpft.

Mehr als 200.000 Menschen beteiligten sich laut "Libera" an dem Umzug am Samstag. Anwesend waren auch Angehörige von 900 Mafia-Opfern aus ganz Italien und Europa, berichteten italienische Medien. Die Anti-Mafia-Organisation "Libera" hatte 1995 den "Giorno della Memoria" (Tag der Erinnerung) ins Leben gerufen. Dabei wird seitdem jedes Jahr im März vor allem der Opfer der Mafia gedacht.

2.500 Menschen sind in Italien in den vergangenen zehn Jahren der Mafia zum Opfer gefallen. 70 Prozent der Mafia-Morde sind unaufgeklärt geblieben, in den meisten Fällen kennt man nicht einmal den Beweggrund für das Verbrechen. "Wir stehen vor einem nationalen Notstand. Die Mafia ist nicht nur ein süditalienisches Problem", betonte Ciotti. (APA, 21.3.2015)

  • Papst Franziskus auf der Piazza del Plebiscito in Neapel.
    foto: apa/epa/renato olimpio

    Papst Franziskus auf der Piazza del Plebiscito in Neapel.

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