Zwei Tote bei Brand auf ehemaligem Frachtenbahnhof in Wien

21. März 2015, 13:21
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Güterwaggon fing am ehemaligen Frachtenbahnhof in Wien-Floridsdorf Feuer

Wien - Ein Brand in einem ausrangierten Waggon am ehemaligen Frachtenbahnhof Wien-Floridsdorf hat am Freitagabend zwei Obdachlosen das Leben gekostet. Ein 43-Jähriger wurde durch das Feuer schwer verletzt und im Krankenhaus in künstlichen Tiefschlaf versetzt. Bei den Todesopfern handelt es sich um eine Frau und einen Mann. Die genaue Identität war wie die Brandursache am Samstagvormittag noch unklar.

Brandermittler waren am Unglücksort bei der Angerer Straße noch mit den Erhebungen beschäftigt, sagte Polizeisprecher Thomas Keiblinger am Samstag. Erste Vermutungen deuteten darauf hin, dass die drei Obdachlosen versucht haben, in dem Waggon einzuheizen. Die Feuerwehr schloss gegenüber der APA auch nicht aus, dass eine Zigarette oder eine Kerze das Feuer ausgelöst haben könnten.

Die Polizei wurde kurz vor 22.00 Uhr von Zeugen alarmiert und traf auch als erstes bei dem Bahnhofsgelände ein. Der Güterwaggon stand laut Keiblinger mit meterhohen Flammen in Vollbrand, davor lag der 43-Jährige, dessen Kleidung Feuer gefangen hatte. Die Beamten bekämpften die Flammen mit einem Handfeuerlöscher und anschließend mit Decken. Der Mann erlitt Verbrennungen ersten und zweiten Grades an Kopf, Beinen und Armen, wie die Wiener Berufsrettung berichtete.

Regelmäßige Polizeikontrollen

Für die beiden anderen Obdachlosen kam jede Hilfe zu spät. Polizisten versuchten mit einem weiteren Feuerlöscher, die Flammen an dem Waggon einzudämmen, kamen aber nicht näher heran. Die Feuerwehr löschte den Brand schließlich mit Schaum und Wasser. Erst dann wurden die Leichen der Frau und des Mannes entdeckt. In dem Waggon habe es durch die niedrige Raumhöhe eine gigantische Hitzeentwicklung gegeben, erläuterte Feuerwehrsprecher Christian Feiler. Am Ende des Einsatzes wurde auch das Waggondach geöffnet, um letzte Glutnester abzulöschen. Ein Übergreifen der Flammen auf einen daneben geparkten Lkw konnte verhindert werden. 26 Feuerwehrleute standen im Einsatz.

Auf dem ehemaligen Frachtenbahnhof übernachten des öfteren Obdachlose. Das Gelände wird von der Polizei regelmäßig kontrolliert, betonte Keiblinger. Dort angetroffene Personen werden demnach auf offizielle Notschlafstellen hingewiesen, die Obdachlosen wollen aber oft nicht gehen.

Laut einem Sprecher der Bundesbahnen (ÖBB) handelte es sich bei der ausgebrannten Garnitur um einen ausrangierten Waggon. Dieser sei weit genug abseits der eigentlichen Schienenstrecke abgestellt gewesen, sodass der Bahnverkehr in der Nacht nicht beeinträchtigt war. (APA 21.3.2015)


In den vergangenen Jahren starben in Österreich mehrmals unterstandslose Personen bei Bränden. Im Folgenden eine Auswahl ähnlicher Fälle mit Todesopfern in der jüngeren Vergangenheit:

Dezember 2013: In Graz stößt die Feuerwehr bei einem Brand in einem Abbruchhaus auf die Leiche eines 51-Jährigen. Der Obdachlose ist vermutlich mit einer glimmenden Zigarette eingeschlafen. Er hatte immer wieder in dem Gebäude Unterschlupf gesucht und schon im Sommer zuvor mit einer Kerze einen Brand verursacht. Dabei wurde er leicht verletzt.

Februar 2012: In einem Obdachlosen-Unterstand in Wien-Simmering kommt eine Person durch ein Feuer ums Leben. Der Brand war in einem von mehreren Personen als Schlafzimmer genutzten Raum auf der verlassenen Liegenschaft einer ehemaligen Gärtnerei ausgebrochen. Die verkohlte Leiche des vermutlich obdachlosen Mannes wird in den Überresten eines Bettes entdeckt.

Jänner 2011: Ein Obdachloser wird tot in einem Haus in Wien-Neubau gefunden. Das Opfer dürfte zwei bis drei Tage zuvor verbrannt sein. Ein weiterer Obdachloser entdeckt ihn in der Wohnung, die von Unterstandslosen als Schlafstätte genutzt wird. Die Polizei geht von einem Unfall aus.

Juni 2009: Ein 40-Jähriger erleidet bei einem Kellerbrand in Wien-Hernals lebensgefährliche Verbrennungen. Er erliegt kurz darauf im Spital seinen Verletzungen. Der Brand wurde offenbar durch eine Kerzenflamme oder Zigarettenglut verursacht. Ein 41 Jahre alter Obdachloser, der das Matratzenlager ebenfalls als Nachtquartier nutzte, erleidet eine Rauchgasvergiftung.

Februar 2009: Zwei Männer kommen bei einem Brand in einem Abbruchhaus in Wien-Floridsdorf ums Leben. Ein Fahrer eines Streudienstwagens der Gemeinde Wien entdeckte den Brand in der Nacht. Die beiden Obdachlosen wollten offenbar einen in der Mitte eines Zimmers aufgestellten Ofen anheizen.

Oktober 2008: Bei einem Brand im Garagenanbau des Pfarrhauses in Mayrhofen im Tiroler Bezirk Schwaz wird die Leiche eines vermutlich 49 Jahre alten Obdachlosen gefunden. Die Flammen hatten sich schnell auf die angrenzende Garage und die Außenfassade des Pfarrhauses ausgebreitet. Das Feuer war aus ungeklärter Ursache unter dem Tisch ausgebrochen, an dem der Verunglückte gesessen sein dürfte.

  • Der Ort des Brandes am ehemaligen Frachtenbahnhof in Wien-Floridsdorf.
    foto: apa/herbert p. oczeret

    Der Ort des Brandes am ehemaligen Frachtenbahnhof in Wien-Floridsdorf.

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