Lufthansa-Streik: Es wird keinen Sieger geben

Kommentar20. März 2015, 17:55
10 Postings

Lufthansa-Streik

Zählt noch irgendjemand mit? Zum zwölften Mal innerhalb eines Jahres streiken die Piloten der Lufthansa gerade. Am Freitag fielen wieder einmal 700 Kurz- und Mittelstreckenflüge aus, heute, Samstag, trifft es die Langstrecke. Und die jüngste Drohung der Piloten lautet: "Wir können noch die nächsten paar Jahre streiken."

Es ist ein Albtraum für Konzernleitung und Passagiere. An der Faktenlage hat sich nichts geändert. Immer noch ringen Management und die gut bezahlten Piloten erbittert um die derzeit großzügigen Regelungen des Übergangs in die Pension. Die Lufthansa hat ihr Angebot nach eigenen Angaben nachgebessert, doch den Piloten reicht das nicht.

Es geht um viel mehr als "nur" Pensionen. Die Piloten wollen ihre Macht wahren und sich nicht in die Billigtochter Eurowings verdrängen lassen. Auf dieser Flugroute ist alles andere Nebensache: der Kostendruck durch Billig- und Golfstaaten-Konkurrenz, die 220 Millionen Euro Verluste durch die Streiks und Kollegen vom Boden- oder Kabinenpersonal. Die "Elite" kämpft nur für sich.

Irgendwo aber muss der gesichtswahrende Kompromiss liegen. Langsam sollte beiden Seiten dämmern, dass es in diesem Kampf am Ende keinen strahlenden Sieger und keinen eindeutigen Verlierer geben können wird. Die von den Piloten geforderte, aber von der Lufthansa bisher abgelehnte Schlichtung wäre auf jeden Fall einen Versuch wert. Ein Zuviel an Verhandeln kann es gar nicht geben. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 21.3.2015)

Share if you care.