Reform des bürgerlichen Gesetzbuchs: Leichter erben

Kommentar20. März 2015, 17:52
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Stirbt der Vermögende, möchte natürlich jeder potenzielle Erbe seinen Anteil bekommen

Wer im Laufe seines Lebens ein kleines Vermögen angehäuft hat, will dieses in der Regel ungeschmälert weitergeben. Man hat das bei den Diskussionen um die Erbschaftssteuer gesehen, bei denen sich ja auch mehr potenzielle Erblasser als potenzielle Erben zu Wort gemeldet haben.

Stirbt der Vermögende, möchte natürlich jeder potenzielle Erbe seinen Anteil bekommen – was etwa bei Familienbetrieben den Familienfrieden und womöglich auch den Betrieb gefährden kann. Damit nämlich jeder bekommt, was ihm zusteht, muss das Vermögen geteilt oder zu Geld gemacht werden, was oft nicht nur den Wünschen des teuren Verblichenen, sondern auch der wirtschaftlichen Vernunft widerspricht. Aber es entspricht dem geltenden Recht – das Gerechtigkeitsvorstellungen und Gesellschaftsverhältnisse des 18. Jahrhunderts widerspiegelt.

Justizminister Wolfgang Brandstetter ist aufgefallen, dass man das Erbrecht an die heutige Lebens- und Wirtschaftswelt anpassen muss. Und die Anpassungen, die er nun vorschlägt, finden breite Zustimmung – ob es nun um Erleichterungen dabei geht, das Erbe zusammenzuhalten, oder um die besondere Anerkennung von Pflegeleistungen. Und dass Lebensgemeinschaften der Ehe auch im Erbrecht gleichgestellt werden, regt keinen mehr auf – im Gegenteil: Auch im Begutachtungsverfahren dürfte sich zeigen, dass hier bloß bestehende Ungerechtigkeiten beseitigt werden. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 21.3.2015)

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