Adieu, Gold-Fixing: Neue Sitten im Klub

20. März 2015, 17:59
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Die Zeit der Absprachen im Hinterzimmer einer Bank ist vorbei. Nach Manipulationen wird die Feststellung des Goldpreises in London erneuert

London/Wien - Fünf Herren treffen sich in dem Hinterzimmer einer Londoner Bank und besprechen, wie viel ein Goldbarren am Weltmarkt künftig kosten soll. Sie legen damit einen gültigen Referenzpreis für den Juwelier nebenan ebenso fest, wie für Notenbanken und Minenbetreiber.

Klingt wie der Beginn eines Hollywood-Thrillers? Die beschriebene Szene war jahrzehntelang Teil jenes Verfahrens, bei dem der internationale Goldpreis festgesetzt wurde. Zweimal am Tag, um 10.30 und 15 Uhr Londoner Zeit, kamen die Vertreter von fünf, zuletzt nur mehr vier, Banken zu diesem sogenannten Goldfixing zusammen. Die Banker glichen dabei Kauf- und Verkaufsorder so lange ab, bis ein Preis pro Goldbarren feststand. Bis vor elf Jahren fanden die Besprechungen im Bankhaus Rothschild statt, seither wurde per Telefonkonferenz verhandelt.

Seit Freitag 10.30 Uhr Londoner Zeit ist dieses 1919 eingeführte Gold-Fixing Geschichte. Nach Manipulationen wurde das intransparente System durch eine elektronische Handelsplattform ersetzt. Computer auf Basis realer Transaktionen stellen einen Preis fest.

An dem neuen System beteiligen sich die schon bisher involvierten Institute HSBC und Barclays (Großbritannien), Scotiabank (Kanada) sowie die französische Société Générale. Hinzu kommen Goldman Sachs (USA) und die Schweizer UBS.

Weitere Finanzinstitute können sich laut der für das System verantwortlichen London Bullion Market Association anschließen. Der neue Referenzpreis wird nach einem simplen System ermittelt: In einem Zeitfenster von 45 Sekunden können über eine elektronische Auktionsplattform Kauf- und Verkauforder abgegeben werden. Auf Basis dieser Aufträge wird künftig ein Goldpreis ermittelt. Die Preisfestsetzung erfolgt weiter um 10.30 und 15 Uhr.

Aber kann das neue System Malversationen verhindern? Das alte Fixing war anfällig. So wurde Barclays im Mai 2014 zu einer Strafe von 32 Mio. Euro verdonnert. Ein Barclays-Mitarbeiter hatte 2012 fingierte Kauforders abgegeben, damit der Goldpreis um ein paar Cent steigt. Damit ersparte sich die Bank eine Millionenzahlung an einen Kunden, der auf einen fallenden Kurs gesetzt hatte. In den USA wurde zuletzt gegen mehrere Institute, darunter HSBC, Barclays und Deutsche Bank (war bis Mai 2014 beim Gold-Fixing dabei) in Zusammenhang mit Manipulationen bei Edelmetallpreisen ermittelt.

Kleines Zeitfenster

Die New Yorker Ökonomin Rosa Abrantes-Metz legte 2014 sogar eine Studie vor, der zufolge der Goldpreis seit Jahren systematisch manipuliert worden war. Abrantes-Metz begrüßte am Freitag die Umstellung beim Goldfixing grundsätzlich. Sie hatte schon länger gefordert, auf ein elektronisches System umzustellen. Allerdings: Sie hätte ein größeres Zeitfenster bevorzugt, in dem Geschäfte zur Bildung des Referenzpreises erfasst werden.

Denn inzwischen weiß man, dass auch elektronische Handelssysteme nicht sicher sind: So wurde am Devisenmarkt ein in einem 60-Sekunden-Zeitfenster ermittelter Wechselkurs ("WM/Reuters-fix") von Banken manipuliert. Die Institute platzierten einfach bestimmte Geschäfte wie etwa den Verkauf von Euro in das Zeitfenster, um die Kurse in eine gezielte Richtung zu bewegen. Fünf Institute, darunter UBS, HSBC und die Citigroup wurden im Vorjahr von Aufsehern in Europa und den USA zu Strafzahlungen von insgesamt 3,5 Mrd. Euro verdonnert. (szi, DER STANDARD, 21.3.2015)

  • Die Preisfindung für Gold bleibt weiter umstritten.
    foto: ap/kienzle

    Die Preisfindung für Gold bleibt weiter umstritten.

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