Sports Direct sucht Rezept für Österreich

20. März 2015, 17:35
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Die andernorts erfolgreiche Diskontstrategie lässt beim britischen Handelsriesen hierzulande die Umsätze rasant zerbröseln

Wien - Sports Direct ist auf der Suche nach dem richtigen Rezept für Österreich. Die andernorts erfolgreiche Diskontstrategie lässt beim britischen Handelsriesen hierzulande die Umsätze rasant zerbröseln. Nun feilt der Konzern offenbar an Konzepten für hochwertige Shops. In London wurden österreichischen Lieferanten jüngst sogenannte Premium-Geschäfte nahegebracht, mit der Aussicht, diese auch in Österreich etablieren zu wollen, erfuhr der STANDARD.

Bisher ist davon freilich noch nichts zu sehen. Skihersteller etwa bringen bei Sports Direct, der neuer Eigentümer von Sport Eybl und Sports Experts ist, auch in der kommenden Saison allein Brettln aus der Preiseinstiegslage unter.

Nicht nur bei Skiern, im gesamten Sportsortiment ist derzeit alles in Bewegung. Renommierte Marken distanzieren sich von großangelegten Diskontflächen der Briten und suchen andere Absatzwege. Mit ihnen verteilen sich die Kundenströme neu. Im Fachhandel tut sich vielerorts ein Vakuum auf, um das Grabenkämpfe alteingesessener Einkaufsverbände entbrennen. Vor allem Mitglieder von Intersport und Sport 2000 laufen um Standorte um die Wette.

Verlust von Umsätzen an Onlinehändler

Bis sich die durch Sports Direct aufgebrochene Struktur im Handel neu festigt, braucht es etliche Jahre, sind sich Marktkenner einig. Zumal auch der zunehmende Verlust von Umsätzen an Onlinehändler die Branche umkrempelt. Im Dunstkreis der großteils deutschen Webshops entstehen neue Restpostenläden. Auch Quereinsteiger, von H&M über Interspar, bis zu Hofer, wildern hemmungslos in sportlichen Gefilden.

Die Österreicher geben jährlich für Sportartikel quer über sämtliche Vertriebskanäle rund 2,3 Milliarden Euro aus. Etwa 1,6 Milliarden verteilen sich nach Berechnungen des Verbands der Sportartikelerzeuger und -ausrüster auf einschlägige Fachhändler.

Ein gutes Jahrzehnt lang genoss die Branche gesunde Zuwächse - im Vorjahr ging es jedoch zum zweiten Mal in Folge bergab. Ihre Umsätze sanken in Österreich real um mehr als vier Prozent. Es war der Winter mit seiner für den Handel widrigen Witterung, der ein Loch in die Bilanz vieler Händler riss. Gernot Kellermayr, Präsident des Branchenverbands, gibt aber nicht nur dem Wetter Schuld.

Die massiven Umsatzeinbußen von Sports Direct spielten ebenso herein, sagt er. "Die Mitbewerber haben diese nicht wirklich aufgefangen." Überdies hätten die Konsumenten vermehrt zu günstigeren Produkten gegriffen. Was das Geschäft rund um Skier betrifft, so habe die Branche aber heuer seit Jänner einiges aufgeholt.

Sports Direct weist in Österreich für September 2013 bis Ende April 2014 fast 37 Millionen Euro Bilanzverlust aus. Hervis, der wie die Briten die niedrigsten Preise für sich beansprucht, sich jedoch gegen den Begriff Diskonter verwehrt, verbuchte im Vorjahr nach eigenen Angaben eine Umsatzrendite von drei Prozent. Das sind bei Erlösen von 425 Millionen Euro in sieben Ländern 13 Mio. Gewinn.

Experimente

Hervis ist seit dem Einstieg der Briten bei Eybl und Sports Experts wie dem Verkauf der Intersport an die deutsche Intersport der größte österreichische Sporthändler neben Sport 2000 und Gigasport. Die Spar-Tochter übt sich in der Verschränkung des stationären Handels mit Online-Geschäften. Wie viele Kunden mittlerweile via In- ternet ordern, beziffert Geschäftsführer Alfred Eichblatt nicht. "Die Grenzen verschwimmen." Beides lasse sich nicht mehr trennen. Der E-Commerce biete jedenfalls mehr Chancen, als er Bedrohung sei.

Im Testlauf ist ein Convenience-Modell für Sportartikel: So erhalten Kunden auf kleiner Fläche an gut frequentierten Lagen Zugang zum Kernsortiment. Mehr gibt es online - abzuholen an diesen Pick-up-Zonen. Hervis will mit vorerst zwei Express-Läden experimentieren. Neue Trends erwartet sich der Händler durch technische Neuerungen: etwa Radpedale mit GPS, Brillen mit Navi und Uhren, die Körperfunktionen bis hin zur Tiefschlafphase messen. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 21.3.2015)

  • Was anderswo funktioniert, stößt hierzulande auf weniger fruchtbaren Boden. Jetzt wird an Alternativen getüftelt.
    foto: epa/rain

    Was anderswo funktioniert, stößt hierzulande auf weniger fruchtbaren Boden. Jetzt wird an Alternativen getüftelt.

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