"Der Farkas? Hut auf!"

20. März 2015, 18:43
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Eine Lesung anlässlich des 135. Geburtstags des Kabarettisten Fritz Grünbaum

Am 7. April 1880 wurde Fritz Grünbaum in Brünn geboren, am 14. Jänner 1941 verstarb er völlig entkräftet im KZ Dachau. Ein Mithäftling berichtete, Grünbaum habe kurz zuvor versucht, sich das Leben zu nehmen, weil er die ihm angetanen Torturen nicht mehr aushielt, aber der angestrebte Suizid blieb ebenso erfolglos wie der Fluchtversuch aus Österreich, den er 1938 unternommen hatte.

Grünbaum war in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts einer der populärsten Kabarettisten in Wien, und er hatte nicht nur dort, sondern auch in Berlin eine Fangemeinde. Der Sohn eines jüdischen Kunsthändlers war in Brünn zur Welt gekommen ("Ich bin in Brünn geboren, aber ich möchte dort nicht begraben sein") und schlug zunächst eine bürgerliche Karriere als Jurist ein.

Die Weichen wurden schnell anders gestellt. Grünbaum, der im Café Griensteidl durch witzige Conférencen und Gedichtrezitationen auf sich aufmerksam gemacht hatte, kam bald vor ein größeres Publikum und fand so viel Anklang, dass er die Juristerei an den Nagel hängen und seiner wahren Bestimmung als Unterhaltungskünstler nachgehen konnte. Seine erste "Homebase" war von 1906 an die "Hölle", ein im Untergeschoß des Theaters an der Wien gelegenes Etablissement, in dem er jahrelang erfolgreich wirkte. Er rückte freiwillig in den Ersten Weltkrieg ein, wurde durch das sinnlose Gemetzel aber alsbald so ernüchtert, dass er sich auf die pazifistische Seite schlug.

Bruno Kreisky, der dem Kabarettisten sehr nahestand und mit ihm gemeinsam in Lagerhaft war, sprach von einem "sonderbaren Humor" Grünbaums, ",Galgenhumor' wäre gar nicht adäquat, es war eben der Grünberg'sche Humor." Und: In Wahrheit sei er "ein sehr ernster Mensch und eigentlich ein Melancholiker gewesen".

Und ein Wortkünstler und Meister der Selbstironie, der sich über sein wenig adonishaftes Äußeres lustig machen konnte. Mit seinem Kollegen und Freund Karl Farkas kreierte er produktive Dialoge zwischen dem Gscheiten und dem Blöden, bei dem der Blöde dem Gscheiten mithilfe der der Blödheit innewohnenden Weisheit ordentlich zusetzt (Grünbaum über Farkas: "Der Farkas? Hut auf!"). Jüdischer Herkunft zu sein hätte genügt, ihm den Hass der Nazis zuzuziehen. Dass er in seinen Kabarettprogrammen gegen sie und ihren Führer loszog, machte den Hass restlos unversöhnlich. Zur Wehr setzen konnte sich der am Ende vollkommen wehrlos Gemachte nur noch mit seinem Witz. Als ihm ein Aufseher die Bitte nach einem Stück Seife abschlug, replizierte er: "Wer für Seife kein Geld hat, soll sich kein KZ halten." (Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 21./22.3.2015)

Am 29. März um 11 Uhr liest Christoph Wagner-Trenkwitz in der Reiher "Vertriebenes Kabarett" im Wiener Stadtsaal Texte von Fritz Grünbaum. Der Erlös der Veranstaltung kommt dem Psychosozialen Zentrum ESRA zugute. Wagner-Trenkwitz ist auch, gemeinsam mit Marie-Theres Arnbom, Verfasser und Herausgeber der 2005 erschienenen Grünbaum-Biografie "Grüß mich Gott!" (Brandstätter).

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