"Battlefield: Hardline" im Test: Lizenz zum Schießen

22. März 2015, 12:00
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Viscerals Seriendebüt lässt "Räuber und Gendarm" spielen - ein groteskes, aber erfrischendes Erlebnis

In "Battlefield: Hardline" macht es ebenso viel Spaß, Polizisten zu spielen wie Verbrecher. Dabei ist das gewaltig inszenierte Schlachtfeld der erste Teil der Serie, der sogar eine Spur Pazifismus an den Tag legt. Nicht die einzige Kuriosität in diesem Shooter-Spektakel.

Etwa kann man als unbestechlicher Supercop selbst ruchlose und zahlenmäßig überlegene Gangster mit dem bloßen Zücken der Marke in die Knie zwingen. Drogenschieber, korrupte Kollegen, brutale Killer, die einen ansonsten schwer bewaffnet an die Kehle springen, lassen wie ein Vampir beim Anblick eines Kreuzes, ihre bestialische Fassade fallen und ergeben sich wie beschämte Kinder, die sich bei einem Streich ertappt fühlen. Ein urkomischer Anblick, der Freizeitrambos unerwartet vor den Kopf stößt und die frische Rezeptur dieser Serienauskoppelung unterstreicht - im Guten, wie im Schlechten.

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bild: battlefield: hardline

Mit Zip-Line über den Kokainsumpf

Visceral Games‘ Debütwerk in EAs populärer Militär-Shooter Reihe macht nicht nur thematisch vieles anders, als man es von den virtuellen Schlachtfeldern gewohnt ist. Dazu gehört, dass seit "Bad Company" (2008) wieder größere erzählerische Anstrengungen unternommen wurden, Spieler in das Setting einzuführen. In den Schuhen des Ermittlers Alex Mendez wird man in einen Sumpf aus Kokain, Korruption und moralischen Zerwürfnissen geworfen und versucht mit den Tricks eines alleskönnenden Gesetzeshüters nicht zu versinken.

Dadurch wird Hardline zwangsläufig zum spielerisch vielseitigsten Battlefield bisher. Mit dem Stern an der Brust steht es einem frei, Schurken mit Blei oder Handschellen zu überwältigen und auf Konfrontation oder unterstützt von Wurfhaken und Zip-Line lautlos vorzugehen. Und so kontrovers es für Serienliebhaber klingt: Auf diesem Gefechtsschauplatz wird - zumindest in der Kampagne - gewaltloses Vorgehen am meisten belohnt. Das ergibt inhaltlich Sinn, wenngleich die Zauberwaffe "Freeze" so absurd eingesetzt wird, wie so vieles in dieser Copstory.

bild: battlefield: hardline
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Zwischen "Police Academy" und "Bad Boys"

Oberflächlich sind dies unsicher eingestreute Gags, die die Protagonisten zwischendrin mit "Schnee" pudern und die Autoren als Fans von "Police Academy" und "Bad Boys" outen, während wiederum Gewalt mit aller Härte dargestellt wird. Diese Unentschlossenheit überträgt sich spielend auf Gegner, die einmal aufgeschreckt zielsicher ihre Munition entladen, sich davor jedoch wie blinde Hühner überraschen lassen. Auf der stets präsenten Mini-Karte zeigt sich ihr stark abgegrenztes Blickfeld, sodass man sich bis auf einen Meter an sie heranschleichen kann. Per Handy können nicht nur feindliche Lager sondern auch gleich Beweisstücke analysiert werden. "CSI: Miami" lässt grüßen.

Kuriositäten, die auf ebenso kuriose Weise dazu beitragen, dass man Spaß an dieser seichten Unterhaltung hat. In schnell verdaulichen Episoden führt es einen stimmungsvoll von den Hinterhöfen Miamis über eher monotone Krokodilsfarmen zur packenden Skyline Downtowns bis hin ins schräge Outback in der Wüste zu den Rednecks und in eine grauenhaft traumhafte Villa über Los Angeles. Je schöner die Szenerie wird, desto mehr freut es einen, nicht nur Feinde sondern auch Einrichtungsgegenstände kaputt zu ballern und sich in Uniform gehen zu lassen. Look und der Sound der dieser Groteske wissen speziell bei Nacht, Feuergefechten und Charakteranimationen zu schmeicheln und es hat etwas Erfrischendes, wenn man zumindest vor die Wahl gestellt wird, ob man den nächsten Glaspalast gleich niederbügeln oder blutlos säubern mag.

bild: battlefield: hardline
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Räuber und Gendarm

Diese pazifistischen Züge verblassen bei den Mehrspieler-Konfrontationen. Anstelle dessen darf man frei die Seite wählen und so als Krimineller etwa Banken überfallen oder Geiseln nehmen, während die Guten versuchen, den Bösewichten einen Strich durch die Rechnung zu machen. Zusätzlich werden bekannte Modi aufgemischt. Beispielsweise müssen im Bewerb Hotwire nicht stationäre Stellungen, sondern fahrende Autos erobert werden. Für Traditionalisten steht in Hardline wiederum ein Conquest-Modus bereit, der alle Kampfgebiete von Luft bis Wasser mit einbezieht.

Überfälle und Geiselnahmen erinnern mit ihren engen Gefechtssituationen stark an "Counter-Strike" oder "Call of Duty" und zwingen platzverwöhnte Feldherren mehr denn je, ihre Reflexe zu schärfen. Die Verfolgungsjagden in Hotwire wiederum erweitern das Spektrum um eine gehörige Portion Chaos, wenngleich sich hier wie schon in der Kampagne zeigt, dass Fahrzeugphysik und Handling ausgefeilter sein könnten, um nicht nur Zerstörungsliebe, sondern auch Fahrerfreuden zu wecken.

Letztendlich funktionieren die neuen Modi aber deshalb wirklich gut, weil sie Spielern abwechslungsreiche Aufgaben geben und sie kontextuell und in Etappen zur Kooperation zwingen. Wie gehabt stark motiviert das Belohnungssystem durch freischaltbare Waffen und Ausrüstung. Pistolen und Gewehre können bis ins kleinste Detail modifiziert und aufgewertet werden.

Zum Zeitpunkt des Tests konnten bei Multiplayer-Spielen weder Verbindungsprobleme noch andere gröbere technischen Fehler festgestellt werden. Allerdings kam es im Zuge des US-Starts Anfang der Woche laut Medienberichten zu vereinzelten Ausfällen, die laut Herausgeber EA durch DDoS-Angriffe auf die Server verursacht wurden. Schwierigkeiten wie zum Start von "Battlefield 4" zeichnen sich aktuell aber jedenfalls nicht ab.

bild: battlefield: hardline
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Fazit

"Battlefield: Hardline" setzt damit letztendlich auf das starke Grundgerüst der Serie, ohne jedoch eine weitere Einheitsbreifortsetzung zu produzieren. Der Ausflug ins Polizeirevier provoziert als klare Mainstream-Konserve zwar ebenso viele Seufzer wie Augenaufschläge, beweist jedoch, wie gut es vielen großen Spielserien tun würde, sich abseits der Komfortzone zu bewegen. Wünschenswert wäre jedoch, dass der nächste Versuch selbstsicherer unternommen wird, damit die Lizenz zum Töten nicht gar so oft ungewollt komisch zum Schießen ist. (Zsolt Wilhelm, 22.3.2015)

Dem Autor auf Twitter folgen: @ZsoltWilhelm

"Battlefield: Hardline" ist ab 18 Jahren für PC, PS4, XBO sowie PS3 und X360 erschienen. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 59,99 Euro.

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testmuster für PS4 wurde von Electronic Arts zur Verfügung gestellt.

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