Draußen sein mit ... der Snowstrike Skibrille von Uvex und der Tycane Pro von Adidas

Video22. März 2015, 15:00
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Psycho-Scheiben, Flüssigkristall-Farbanpassung und eine Sonnenbrille, die zur Bergbrille wird

Versprochen: Das ist für diesen Winter der letzte Eintrag zum Thema Skifahren und Skiausrüstung. Schließlich ist der Winter aus Wiener Sicht mittlerweile vorbei – auch wenn gerade Skiurlaubende und im Bergland lebende Freunde anderes sagen. Aber der Standort definiert die Perspektive – und dass Marketing und Jahreszeiten nur peripher kompatibel sind, stand ohnehin schon vergangene Woche hier.

Was hier noch nie stand: das Plädoyer, mit dem ein Augenarzt mich und eine rund 40-köpfige Gruppe von Journalisten bei einer Bergtour einst nachgerade anflehte, doch zu kommunizieren, wie wichtig Ski- und Sonnenbrillen am Berg sind. Nicht nur beim Skifahren: Neben Schneeblindheit (die man sich auch bei Nebel einfangen kann) und sonstigen Blendungen waren es nicht bloß die UV-Strahlung, sondern auch "manifeste physische Schäden", vor denen der Augenarzt – Primarius an einem steirischen Spital, Expeditionsarzt und in etlichen Augen-Charity-Projekten für und mit Sherpas engagiert — warnte: "Skifahren ohne Brille ist einfach dumm: Schneekristalle können wie Pfeilspitzen auf das Auge auftreffen – und echte Verletzungen verursachen."

Der Name des Mediziners ist mir entfallen. Der der Brille, die man uns damals – mit einer superfeinen Tour auf die Wildspitze – präsentierte, nicht: Es war die Terrex Pro von Adidas.

foto: thomas rottenberg

Die Brille hat mich dann einige Jahre begleitet. Auch weil sie einfach von einer lockeren Sonnen- zur "echten" Bergbrille (also mit dem Gesicht abschließend) umgebaut werden konnte und die Bügel gegen ein über den Helm passendes Gummiband getauscht werden konnten.

Freilich: Bei mir lebt keine Sportsonnenbrille ewig. Derzeit verwende ich beim Laufen und Radfahren meist ein deutlich leichteres, aber nicht helmtaugliches Nachfolgemodell. Die Adidas Tycane Pro spielt alle Stückerln, die man von einer Outdoor-Brille erwarten kann: Sie lässt sich als reguläre Sonnenbrille ebenso tragen wie – mit einem "Adapter" rund um die Fassung – als eng abschließende Bergbrille. Nasenpartie und Bügeleinstellwinkel sind variabel. Und Scheiben gibt es für fast jedes Licht. Aber: Über den Helm geht sie nicht. Und das ist beim Skifahren nicht unwichtig.

foto: rottenberg

Was beim Skifahren darüber hinaus noch zählt: dass die Brille sich an alle Lichtverhältnisse anpassen lässt. In der Theorie ist das kein Problem. Wechselscheiben gibt es mittlerweile für jedes Skibrillenmodell jedes Herstellers. Doch wie komfortabel die Wechselei in der Praxis ist, steht auf einem anderen Blatt. Auf diesem Blatt fehlt dafür ein Hinweis: wo ohne Rucksack auf der Piste fahrende Komfortskifahrer die Ersatzscheiben hinpacken sollen. Schließlich wollen die meisten keine dick auftragenden Taschen an Jacke und Hose.

Die Lösung des Problems erlebte ich im Jänner in Davos. Wie hier schon einige Male erwähnt, war ich dort von Blizzard, Tecnica, Uvex und Columbia zum Ausprobieren diverser Teile eingeladen, die erst kommenden Herbst auf den Markt kommen.

Uvex zeigte – neben neuen Helmen – auch Brillen mit sogenannten "Mood"-Scheiben: Die Grüne nennt sich "Psycho" – und soll durch ihre Färbung den Fahrer motivieren und energetisieren. Na ja. Aber Kontraste verstärkt die grüne Scheibe tatsächlich ganz gut.

foto: rottenberg
Im Lift mit der Snowstrike und der Psycho-Scheibe.

Zum Scheibenwechseln wurden mittlerweile ja 1000 Methoden entwickelt. Uvex präsentierte schon vor ein paar Jahren eine, bei der man die mit Magneten versehene dunklere Scheibe einfach und sogar während der Fahrt abpflücken kann. Wobei sich da dann die Frage des ebenso schnellen Verstauens und Nichtzerkratzens stellt.

foto: rottenberg
Scheibenwechseln mit Magnetsystem.

Einen anderen Weg geht der deutsche Brillen-, Helm- und Arbeitsschutzhersteller mit der "Snowstrike". Die kam schon diesen Winter auf den Markt – ist aber noch ein absoluter Exot. Außerdem wird noch ein wenig an ihr gefeilt – um sie im Herbst tatsächlich ausgereift in die Läden zu bringen. Die Snowstrike funktioniert nach dem Prinzip der LCD-Bildschirme: Die Scheibentönung passt sich den Lichtverhältnissen an. Automatisch oder auf Knopfdruck. In Sekundenbruchteilen.

Tatsächlich funktioniert dieser Wechsel – gefühlt – schneller als ein Wimpernschlag. Der Unterschied beeindruckte mich bei ein paar Waldabfahrten: Zuerst fuhr ich ohne und dann mit dem Wechselmodus. Fazit: So eine Hell-dunkel-hell-dunkel-Automatik ist beim Skifahren nett – tatsächlich hätte ich sie aber vor allem beim Motorrad- und Radfahren wirklich gerne …

thomas rottenberg
Farbwechsel bei der Snowstrike.

Die Flüssigkristalle "können" vier Licht-Modi. Und ein paar Farben. Das manuelle Handling – über einen Knopf an der rechts neben dem Brillengehäuse befestigten kleinen Kästchen mit der Elektronik – war wider Erwarten trotz des knapp daran anschließenden Helmrands problemlos.

Freilich: Den Wechsel von hell auf dunkel beim Skifahren ganz auf Automatik zu schalten finde ich eher unsportlich. Und auch unlustig. Und ob ich während der Fahrt ständig am Brillenrand nach der optimalen Einstellung herumsuchen will, weiß ich auch nicht so recht.

Außerdem wäre da noch der Preis. 400 Euro sind mir persönlich für eine Skibrille einfach zu viel: Ich baue sie mit großer Sicherheit relativ rasch irgendwo an … (Thomas Rottenberg, derStandard.at, 22.3.2015)

foto: hersteller
Die Snowstrike von Uvex.
foto: hersteller
Die Tycane Pro Outdoor gibt es online ab etwa 150 €.

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien:

Sowohl die Bergtour auf die Wildspitze (vermutlich 2010) als auch die Materialtests in Davos waren Einladungen der Hersteller. Alle Uvex-Skibrillen wurden zurückgegeben. Adidas-Eyewear stellte auf die Frage, wann und wie die Tycane retourniert werden sollte, ausdrücklich fest, dass "eine Rückgabe nicht vorgesehen" sei, da man mit einer bereits getragenen Brille als Unternehmen nichts mehr anfangen könne". Thomas Rottenberg wird sie daher weiterschenken.

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