Wiener IS-Propagandist laut Heimkehrer tot

20. März 2015, 16:55
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16-jähriger IS-Heimkehrer sah laut Anwalt die Hälfte seiner Bekannten sterben, darunter auch Firas H. – U-Haft verhängt

Wien/Raqqa – "Mein Mandant hat seine zerfetzte Leiche gesehen": Mit dramatischen Worten gab Werner Tomanek, Verteidiger jenes 16-jährigen IS-Heimkehrers, der am vergangenen Dienstag am Flughafen Wien-Schwechat festgenommen wurde, Gerüchten über das Ableben des bekannten Wiener IS-Propagandisten Firas H. neuen Auftrieb.

Der 19-jährige H. war zum bekannten Gesicht im heimischen Boulevard geworden. Über seinen Facebook-Auftritt verbreitete er Bilder und Videos aus den Gebieten, die vom "Islamischen Staat" (IS) kontrolliert werden, an seine Sympathisanten und die Medien. Nach dem Floridsdorfer wurde auch per internationalen Haftbefehl via Interpol gefahndet. Er soll zuletzt dem sogenannten Medienministerium der IS angehört haben. In den letzten Monaten war es jedoch ruhig um den 19-jährigen Jihadisten geworden, was Spekulationen über sein Ableben nährte.

Radikalisierung in kürzester Zeit

Der 16-jährige mutmaßliche IS-Anhänger, von dem die Informationen stammen, wurde indes ins Landesgerichtliche Gefangenenhaus überstellt. Er war mit einem gefälschten Pass, der ihn als 18 und damit volljährig auswies, im vergangenen August gemeinsam mit einem gebürtigen Türken per Flugzeug in die Türkei gelangt.

Der Jugendliche– er weist keinen Migrationshintergrund auf und hatte während seiner gesamten Schulzeit keinerlei Bezug zum Islam – war erst drei Monate vorher konvertiert. Binnen kürzester Zeit radikalisierte er sich, brach seine Lehre als Versicherungskaufmann ab und ging auch nicht mehr in die Berufsschule. Glaubensbrüder sollen ihn davon überzeugt haben, dass er sich aus religiösen Gründen dem bewaffneten Jihad anschließen müsse.

Nächtliche Jihadisten-Rekrutierung

In der Türkei angekommen, wurde der Jugendliche gemeinsam mit anderen IS-Sympathisanten umgehend an die syrisch-türkische Grenze gebracht. Wie er nun dem Wiener Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) erklärte, hatte er sich zu einer bestimmten Stunde gemeinsam mit den anderen jungen Männern aus dem Westen, die zur IS wollten, an der Grenzstelle zu postieren. Nachts soll dann plötzlich wie aus dem Nichts ein Fahrzeug mit sechs bewaffneten IS-Kämpfern aufgetaucht sein, welche die Grenzbeamten bedrohten, entwaffneten und die Jihadisten mitnahmen.

Einsatz als Sanitäter in der Schlacht um Kobane

Im IS-Gebiet angelangt, bekam der 16-Jährige eine Kalaschnikow und 30 Schuss Munition in die Hand gedrückt. Eine Ausbildung an der Waffe erhielt er nicht. Im weiteren Verlauf wurde er bei der Schlacht um Kobane von der IS als Sanitäter eingesetzt.

"Er ist ganz allein in einem Hummer-Geländewagen gesessen und damit tagelang mit Morphiumspritzen auf dem Beifahrersitz herumgefahren. Dabei hat er mit 16 ja nicht mal einen Führerschein. Er hat gerade einmal einen Fahrsicherheitskurs beim ÖAMTC gemacht", hielt sein Rechtsvertreter fest. Aufgabe des Burschen war es, teilweise im Kugelhagel durchs Kampfgebiet zu fahren und Verletzte aufzulesen.

Propagandavideo auf Geheiß

Auf Geheiß seines Kommandanten trat der Bursch Anfang Oktober 2014 in einem syrischen Schlachthaus gedrehten Propagandavideo in Erscheinung, das via Facebook verbreitet wurde. Darin verkündete der Minderjährige unter anderem: "Wir haben uns heute hier versammelt, um die Schafe zu schlachten, und ich will euch dazu einladen, auch die Kuffar (Ungläubigen, Anm.) zu schlachten." Und weiter: "Kommt her zum Islamischen Staat. Nur hier findet ihr Ehre und Allah."

Seinem Mandanten sei aufgetragen worden, dieses Video zu drehen, erläuterte Tomanek. Dem 16-Jährigen sei gar nichts anderes übriggeblieben, als dem nachzukommen: "Er hat gesehen, wie Leute ausgepeitscht wurden, die nicht gehorcht haben."

Am Freitag wurde die Untersuchungshaft wegen Tatbegehungs- und Fluchtgefahr über ihn verhängt. (stb, APA, 20.3.2015)

  • Stolz posierte Firas H. im Juni vergangenen Jahres bei der Verbrennung von Zigaretten in Syrien. Nun soll er tot sein.

    Stolz posierte Firas H. im Juni vergangenen Jahres bei der Verbrennung von Zigaretten in Syrien. Nun soll er tot sein.

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