Fest verwurzelt gegen Bodenerosion in Südspanien

22. März 2015, 09:00
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Ein Ehepaar in Südspanien pflanzt ein asiatisches Süßgras, dessen Wurzeln drei Meter in die Tiefe wachsen und so den Boden schützen.

Aus einer Not, massiver Bodenerosion auf ihrem Grundstück, ein neues Geschäftsfeld zu erschließen: Das gelang David und Anna Simmonds mit ihrer "Cash-Crop" Vetiver. Dabei handelt es sich um ein aus den Tropen Südostasiens stammendes Süßgras, das das Ehepaar aus Texas vermarktet.

Die beiden haben sich vor sieben Jahren in Sayalonga, einer Axarquía-Berggemeinde knapp 40 Kilometer östlich von Málaga in Andalusien niedergelassen – mit Meerblick von ihrem Grund, der einem botanischen Garten gleicht. Hier umrahmen Vetiverstauden Oliven-, Pistazien- oder Marillenbäume und befestigen schon nach wenigen Monaten die steilen, terrassierten Hänge des extrem kargen Terrains.

"Ob steinig wie hier, sandig oder lehmig. Vetiver wurzelt in allen Böden", sagt Anna Simmonds. Die Grashorste haben einen Durchmesser von rund 30 Zentimetern und können bis zu eineinhalb Meter hoch werden. Ein dichtes Geflecht aus Wurzeln ragt bis zu drei Meter in den Boden.

Wundergras befestigt Boden

Das Gras benötigt jedoch nur in den ersten drei Monaten Bewässerung. Dann ist es vollkommen selbsterhaltend und übersteht selbst einen sengend heißen Sommer. Temperaturen von minus 20 bis plus 50 Grad Celsius hält der Vetiver aus.

Nicht zuletzt verbessert das "Wundergras", wie die Simmonds es nennen, die Bodenqualität. Selbst für Dünenbefestigungen in Meernähe eigne es sich, da es auch in salzhaltigem Grund und Wasser wurzle. Die Ziegen des Nachbarn verschmähen jedoch die Stauden.

Purer Zufall hat beide nach Südspanien verschlagen. Eigentlich wollten die nach erfolgreicher Unternehmerkarriere pensionierten US-Amerikaner in Venedig auf Immobiliensuche zu gehen. Alle Flüge waren ausgebucht, so fiel die Wahl auf Madrid. Sie "verliebten sich prompt in Spanien", wie sie unisono sagen.

Testpflanzungen bereits in den 90ern

Zunächst hagelte es Kritik an der Bepflanzung mit Vetiver. Andalusiens Regionalregierung zeigte sich besorgt: Die Simmonds hätten "eine invasive Spezies" eingeschleppt, hieß es. Botaniker wurden zum Lokalaugenschein entsandt. Doch bereits Ende der 1990er-Jahre gab es Testpflanzungen der Regionalverwaltung nahe Málaga.

Es handle sich um sterile Pflanzen, sagt David Simmonds: "Einzig durch Wurzelteilung lassen sie sich vermehren." Mittlerweile, rund ein Jahr nachdem die ersten Stecklinge aus Italien importiert wurden, scharen sich Interessenten um ihr Vetiver. Nicht nur die Nachbarn zeigen Interesse, berichtet Anna Simmonds: "Wir wurden schon von Olivenbauern angesprochen."

Denn den benachbarten Pflanzen oder Bäumen schadet das Vetiver nicht. Im Gegenteil: Es fungiert als Wasserspeicher. Das erhöhte die Erträge der mehr als 60 Ölbaume auf der Farm der Simmonds, während ganz Andalusien wegen geringer Niederschläge miserable Ernten verzeichnete.

In Parfumindustrie eingesetzt

Vetiver hat zudem wegen seines hohen Gehalts an ätherischen Ölen in der Parfumindustrie einen Fixplatz. In Südspanien weist es eine starke Konzentration bei den begehrten, fein-herben Duftölen auf. Diese werden aus den dichten Wurzeln gewonnen und vor allem nach Frankreich verkauft.

Erosion ist in ganz Spanien ein zunehmendes Problem. Zum einen mangelt es seit Jahren an Regen. Zum anderen wurden vor allem im Süden der Iberischen Halbinsel die Agrarflächen durch falsche Nutzung ausgelaugt. Bis zum Platzen der Immobilienblase im Jahr 2007 kam ein zügelloser Bauboom hinzu, durch den fruchtbare Böden versiegelt wurden.

Luis Suárez, Präsident des obersten, staatlichen Geologengremiums in Madrid, warnt: "Wir beobachteten über die vergan-gene Dekade, dass durch die steigende Trockenheit Böden rascher und stärker abgetragen werden." Zudem breiten sich von Wüstenbildung bedrohte Flächen von Südsüdwest sukzessive gen Norden aus. Hinzu kommen noch periodische heftige Überflutungen wie unlängst am Ebro in Aragón und Katalonien. Die Hälfte der Katastrophenschäden landesweit wird durch Hochwässer gezeitigt.

Das Uno-Weltjahr der Böden böte laut Suárez eine gute Gelegenheit, um auf den Verlust der Biodiversität im Untergrund aufmerksam zu machen. Immerhin lebt ein Viertel der bekannten Spezies unter unser aller Füße. "Wer die Böden verliert, verliert jegliche Grundlage für Leben", sagt Suárez. (Jan Marot aus Málaga, DER STANDARD, 21.3.2015)

  • In Spanien versucht ein Ehepaar die trockenen, steinigen und steilen Böden durch das "Wundergras" Vetiver zu befestigen.
    foto: jan marot

    In Spanien versucht ein Ehepaar die trockenen, steinigen und steilen Böden durch das "Wundergras" Vetiver zu befestigen.

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