Finstere Sonne am strahlend blauen Himmel

20. März 2015, 12:21
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Um 11.58 Uhr endete das Naturschauspiel auch im Osten des Landes – Bundespräsident Heinz Fischer kam zum Public Viewing am Heldenplatz

Wien – Das Wetter spielte wie von den Meteorologen versprochen mit. Bei strahlend blauem Himmel beobachteten Interessierte in ganz Österreich am Freitagvormittag das kosmische Schauspiel.

Um 9.27 Uhr begann sich in Bregenz der Neumond vom rechten zum linken Rand vor die Sonne zu schieben. Den Höhepunkt – die Bedeckung der Sonnenscheibe zu rund zwei Dritteln – erreichte die partielle Sonnenfinsternis je nach Bundesland zwischen 10.35 Uhr und 10.46 Uhr. Um 11.58 Uhr war alles wieder vorbei. Ohne das entsprechende Equipment, das den gefahrlosen Blick in die Sonne erlaubte, war allerdings nicht viel zu sehen. Der Himmel verdunkelte sich nur kaum merklich.

Rätsel um Alternativen

Wie die Eklipse auch ohne spezielle Schutzbrille beobachtet werden konnte, beschäftigte nicht nur die Schulklassen, die sich etwa zum Public Viewing am Maria-Theresien-Platz vor dem Naturhistorischen Museum in Wien versammelt hatten. Dort standen unter anderem Hobbyastronomen der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie (WAA) Frage und Antwort. Im Internet, unter Kollegen und Kolleginnen oder Schaulustigen auf der Straße wurde ebenfalls über sichere Alternativen zu den seit Tagen restlos ausverkauften Lichtschutzbrillen gerätselt.

Viele griffen zu Wärmedecken aus dem Erste-Hilfe-Kasten, obwohl Experten anzweifeln, dass diese ausreichend Strahlung filtern. Kleine Risse oder Beschädigungen in der Rettungsdecke seien eine zusätzliche Gefahr – denn dort können die Sonnenstrahlen ungehindert passieren und die Netzhaut beschädigen. Abgeraten wurde auch davon, Schutzbrillen zu verwenden, die seit der totalen Sonnenfinsternis im Jahr 1999 zu Hause gelagert werden – auch sie können altersbedingt Beschädigungen aufweisen.

Erfolgreich und tatsächlich risikofrei schienen hingegen Projektionen des Sonnenbildes durch Fernrohre auf Papier zu sein. Die vielerorts empfohlene Selfie-Funktion am Mobiltelefon funktionierte dagegen weniger gut: Die Handykamera war durch die Lichtverhältnisse überfordert, die sich am Display spiegelnde Sonne blendete.

Weiten des Universums faszinierten Heinz Fischer

Bundespräsident Heinz Fischer mied am Freitag mehr oder weniger riskante Alternativen und beobachtete die Sofi vom Wiener Heldenplatz aus mit Lichtschutzbrille und durch ein bereitgestelltes professionelles Teleskop. "Als Jugendlicher wollte ich gerne Astronomie studieren, die Weiten des Universums haben mich immer fasziniert und faszinieren mich heute noch", sagte er. Und: "Ein tolles Erlebnis, das wir so schnell nicht wieder erleben werden."

Wo er recht hat, hat er recht: Eine totale Sonnenfinsternis wird in Österreich erst wieder 2081 zu beobachten sein – und zwar von Kärnten aus. In Wien ist es erst im Jahr 2227 wieder so weit. Im Schnitt erlebt ein Ort auf der Erde alle 375 Jahre eine totale Eklipse. Am 10. Juni 2021 wird der Mond die Sonnenscheibe zu etwa zwölf Prozent bedecken.

Fehltritt und Beinbruch

Nicht überall verlief die Beobachtung des Naturereignisses harmonisch. Ein 49-jähriger Mann in Baar in der Schweiz blickte zum Himmel, machte einen Fehltritt und stürzte eine 50 Zentimeter hohe Rampe hinunter. Er wurde mit Verdacht auf Beinbruch in ein Spital gebracht, wie die Polizei mitteilte.

Komplett dunkel wurde es am Freitag übrigens nur in einem etwa 400 Kilometer schmalen Streifen auf dem Nordatlantik – an Land war das auf den Färöer-Inseln und Spitzbergen zu sehen. (cmi, derStandard.at, 20.3.2015)

  • Bundespräsident Heinz Fischer mit Lichtschutzbrille.
    foto: apa/hbf/carina karlovits

    Bundespräsident Heinz Fischer mit Lichtschutzbrille.

  • Die verdunkelte Sonne über dem Kunsthistorischen Museum in Wien.
    foto: apa/roland schlager

    Die verdunkelte Sonne über dem Kunsthistorischen Museum in Wien.

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