Wenn der große Fußball ein Stelldichein gibt

20. März 2015, 11:07
17 Postings

Die Uefa hält in Wien ihren Kongress ab. Michel Platini wird als Chef des europäischen Fußballverbands bestätigt. Auch Weltherrscher Joseph Blatter schaut vorbei. ÖFB-Präsident Leo Windtner möchte ein "guter Gastgeber" sein

Wien - Es ist nicht so, dass der Uefa-Kongress in Wien groß tanzt. Die Veranstaltung wird bündig gehalten. Europas Fußball stellt 54 Landesverbände, pro Nation werden drei Delegierte entsandt. Österreich ist als Gastgeber schon da. ÖFB-Präsident Leo Windtner, der stimmberechtigt ist, Generaldirektor Alfred Ludwig und Bundesligachef Hans Rinner bilden das Trio. Diese Besetzung ist nicht untypisch für den Fußballsport, an der Frauenquote muss gearbeitet werden. Lediglich Norwegen schickt auch eine Delegierte. Die Veranstaltung beginnt am Sonntag, Finanz- und Exekutivkomitee tagen, am Montag werden die internen Besprechungen fortgesetzt. Epochales ist nicht zu erwarten. Am Abend findet das offizielle Dinner im Rathaus statt.

Eine Wahl, ein Kandidat

Am Dienstag wird im Messezenrum der eigentliche Kongress abgewickelt, es ist der 39. insgesamt, der vierte in Wien. Abschluss und Höhepunkt ist die Wiederwahl des Franzosen Michel Platini zum Präsidenten, der 59-Jährige ist der einzige Kandidat und laut Windtner "völlig unumstritten. Er war eine Spielerpersönlichkeit, von da hat er vieles in das Funktionärsbild transferieren können. Er steht klar für Sport und Entwicklung."

Amüsant dürfte der Auftritt des Fifa-Präsidenten Joseph Blatter sein. Der Schweizer ist in Europa nicht besonders beliebt, trotzdem hält er am Dienstag die Eröffnungsrede. Blatter möchte am 29. Mai in Zürich zum fünften Mal Weltpräsident werden, zu diesem Zwecke braucht er die Zuneigung Europas nicht. Die anderen Konföderationen werden ihn nämlich wählen. "Das ist Formsache", sagte Windtner dem Standard.

Platini kritisiert Blatter bei jeder, meist passenden Gelegenheit. Andererseits muss erwähnt werden, dass auch er für die skurrile WM 2022 in Katar gestimmt hat, nicht zuletzt aufgrund des politischen Drucks. Platini hat auf eine Gegenkandidatur verzichtet, wohl wissend, dass er nur Zweiter hinter Blatter werden kann. An seiner Stelle versuchen es der ehemalige Weltfußballer Luis Figo aus Portugal, der niederländische Verbandschef Michael van Praag und der jordanische Prinz Ali bin al-Hussein. Die Drei dürfen in Wien Wahlkampfreden halten. Ob sich Europa dann auf einen Kandidaten festlegt, ist laut Windtner "mehr als ungewiss. Es ist keine fixe Linie da. Wir müssen Allianzen schaffen. Europa hat sportlich und finanziell das größte Gewicht, aber nicht die Möglichkeit, das umzusetzen."

Das kleine Österreich spielt ein Nebenröllchen, wird im Uefa-Exekutivkomitee traditionell nicht vertreten sein. Es gibt elf Anwärter für sieben Plätze. Windtner: "Das ist ein Fulltimejob." Der ÖFB-Boss ist Generaldirektor der oberösterreichischen Energie AG und Realist: "Wir haben eher eine Vermittlerolle, können nicht Speerspitze sein und vorne wegmarschieren, sind behutsam."

Geschenke

Ein Boykott der Weltmeisterschaften 2018 in Russland und vier Jahre später in Katar wird von den Europäern nicht einmal angedacht: "Boykottdrohungen bringen nichts, da kommt der Sport in die Mühlen der Politik, das macht keinen Sinn." Windtner möchte ein "guter Gastgeber" sein. Die Delegierten und die Delegierte bekommen zur Erinnerung Augartenporzellan geschenkt, Vasen werden verdächtigt. "Das kommt immer gut an." (Christian Hackl, DER STANDARD, 20.3.2015)

  • Im September 2011 sahen Platini (links) und Windtner im Happel-Stadion das Spiel  Österreich gegen die Türkei. Sie hatten Spaß.
    foto: apa/ pfarrhofer

    Im September 2011 sahen Platini (links) und Windtner im Happel-Stadion das Spiel Österreich gegen die Türkei. Sie hatten Spaß.

Share if you care.