Heta-Zahlungsstopp belastet Finanzsektor

19. März 2015, 18:53
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Anleihen von Hypothekenbanken auf Talfahrt - Banken droht Abstufung - Herausforderung für Anleger

Wien - Damit haben die Märkte nicht gerechnet: Der Zahlungsstopp der Heta bringt andere Hypo-Anleihen unter Druck. Ein 2013 von der Hypo Niederösterreich begebener, fünfjähriger Bond beispielsweise sackte seit Anfang März - als das Moratorium bekanntgegeben wurde - von gut 102 auf unter 92 Euro ab. Das Papier gilt mit einem Volumen von 500 Mio. Euro als liquid, der Absturz somit als repräsentativ. Auch die Anleihen anderer Hypos sind in den letzten zwei Wochen schwer unter Druck geraten.

Doch auch in Deutschland halten die Schockwellen an. Es geht nicht "nur" um 5,5 Milliarden Euro an Forderungen deutscher Finanzinstitute gegenüber der Heta; es stellt sich vielmehr die Frage, ob Landeshaftungen überhaupt noch etwas wert sind. Entsprechende Zweifel hat vergangene Woche der Chef der Commerzbank, Martin Blessing, geäußert. Die Commerzbank sitzt selbst auf Anleihen der früheren Hypo Alpe Adria im Volumen von 400 Mio. Euro. 100 Milliarden Euro an behafteten Anleihen sind in Deutschland im Umlauf. Manche spinnen den Faden schon weiter. Und verweisen auf einen europäischen Markt von 1,3 Billionen Euro, der vom Bail-in Österreich betroffen sein könnte.

Zweifelhafter Spitzenrang

Während betroffene Gläubiger ächzen, sehen andere auch positive Aspekte in den jüngsten Entwicklungen. Friedrich Strasser, Partner der Privatbank Gutmann, meint, dass Anleger künftig genauer auf Prospekte achten müssen. Und darauf, wer hinter den Haftungen steht. Den verschiedensten Abstufungen von nachrangig bis vorrangig, behaftet oder nicht, würde im Zeitalter der Gläubigerbeteiligung eine völlig neue Bedeutung zukommen. Da derartige Analysen für Privatanleger höchst umfangreich seien, komme unabhängigen Banken in der Bewertung eine größere Rolle zu. Womit Strasser natürlich die Bank Gutmann anspricht, als deren Investmentchef er fungiert.

Einen zweifelhaften Spitzenrang nimmt Österreich derzeit beim Interesse internationaler Investoren ein. Fitch werde mit Anfragen bombardiert, Österreich liege im Vergleich aller Länder an der Spitze, vermutlich zum ersten Mal überhaupt, sagte Fitch-Österreich-Bankenexperte Patrick Rioual.

Salzburg im Fokus

Es gebe große Verunsicherung, wie belastbar Haftungen der öffentlichen Hand Österreichs noch sind. Wenn der Landeshauptmann Salzburgs nun die Garantien seines Bundeslandes für die Pfandbriefstelle und damit für die Heta in Frage stelle, dann "hilft das auch nicht besonders". Dass Griechenland nicht zahlt, habe weniger überrascht, da jeder wusste, dass das Land nicht zahlen kann. Im Falle Österreichs bzw. der Bundesländer habe man aber Länder, die in der Lage wären, die Bank zu unterstützen, dies aber "freiwillig nicht tun". Investoren, insbesondere in Deutschland, haben sich wohl blind darauf verlassen, dass Haftungen eingehalten werden, meint Rioual. Das wohl auch deshalb, weil in Deutschland die Haftung des Bundes in der Verfassung verankert ist.

Österreichs Banken müssen sich bei Fitch auf ein schlechteres Rating einstellen. Denn die Agentur wird in der nächsten Bewertungsrunde ihren bisher gewährten "Bonus" für den Rückhalt der öffentlichen Hand streichen. Damit fallen die Institute auf jene Bewertung zurück, die sie bisher ohne Absicherung durch den Staat hatten ("Stand Alone Rating).

(as; APA, 19.3.2015)

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