Schweizer Bankgeheimnis: Gigantisches Schlupfloch

Kommentar19. März 2015, 18:24
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Steuerbetrüger haben noch mehr als eineinhalb Jahre Zeit, um ihr Schwarzgeld in Sicherheit zu bringen

Steuerfahnder und Steuerberater erzählen gerne, dass es bei der Jagd auf Abgabenbetrüger eine Faustregel gibt: Für jedes Schlupfloch, das geschlossen wird, tut sich ein neues auf. Ob eine Antikorruptionsmaßnahme wirksam ist oder nicht, hängt also davon ab, ob das neue Loch kleiner ist als das alte. In dieser Hinsicht ist die am Donnerstag verkündete Vereinbarung zwischen der EU-Kommission und der Schweiz problematisch.

Nach zähen Verhandlungen haben sich die Eidgenossen dazu bereiterklärt, ihr Bankgeheimnis für EU-Bürger aufzugeben. Diese Vereinbarung wird den internationalen Kampf gegen Steuerbetrug auf lange Sicht sicherlich voranbringen. Immerhin wird die Schweizer Steueroase ausgetrocknet. Doch der große Wermutstropfen ist, dass die Vereinbarung ein neues gigantisches Schlupfloch schafft. Die Schweizer Kreditinstitute werden Bankdaten erst 2017 erfassen und erst 2018 tauschen. Damit haben also Steuerbetrüger noch mehr als eineinhalb Jahre Zeit, um ihr Schwarzgeld in Sicherheit zu bringen.

Wie hartnäckig Hinterzieher sein können, weiß die heimische Finanz nur allzu gut. So haben zahlreiche österreichische Steuerbetrüger 2012 ihr Schwarzgeld heimlich aus der Schweiz herausgeschafft, ehe ein bilaterales Abkommen zwischen Wien und Bern sie 2013 zur Kasse gebeten hätte. Abschleicher nennen Experten diese Gruppe. Den Begriff wird man sich in Europa gut merken müssen. (András Szigetvari, DER STANDARD, 20.3.2015)

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