Carnufex carolinensis, der Schlächter auf zwei Beinen

19. März 2015, 17:59
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Paläontologen entdeckten in North Carolina einen der ältesten Vorfahren der Krokodile. Er dürfte einst zu den Topjägern Nordamerikas gezählt haben

Raleigh - Noch bevor es die Dinosaurier unangefochten in die vordersten Ränge der Spitzenjäger schafften, bevölkerten bereits andere - freilich mit ihnen verwandte - imposante Räuber den Urkontinent Pangäa: Da wären etwa die Rauisuchidae, von denen einige Arten Körperlängen von bis zu zehn Metern erreichten, deren Überreste im heutigen Europa, Nord- und Südamerika sowie in Ostafrika gefunden wurden.

Oder die Vertreter einer Gattung mit dem klingenden Namen Poposaurier (benannt nach dem Erstfundort am Ufer des Little Popo Agie River in Wyoming), die bis zu vier Meter lang wurden und sich zumindest zeitweise auf zwei Beinen fortbewegten. Aber auch frühe Vertreter der Crocodylomorpha, die in der Obertrias erstmals auftauchenden Vorfahren der Krokodile, rangierten - trotz ihrer im Vergleich geringeren Körpergröße - zeitweise am oberen Ende der Nahrungskette.

Erfolgreicher Jäger

Forscher haben nun in der Pekin-Formation in North Carolina die Überreste eines bisher unbekannten Urkrokodils entdeckt, das einen der frühesten Vertreter der Crocodylomorpha darstellen dürfte. Und wie der Name schon andeutet, dürfte Carnufex carolinensis - zu Deutsch etwa der "Carolina-Schlächter", ein recht erfolgreicher Jäger gewesen sein.

Die Paläontologen um Lindsay Zanno von der North Carolina State University legten in rund 231 Millionen Jahre altem Sedimentgestein Schädelfragmente, Teile der Wirbelsäule und eines Vorderbeines von Carnufex carolinensis frei. Mithilfe eines speziellen Oberflächenscanners und früherer Funde von nahe verwandten Crocodylomorphaspezies erstellten sie eine 3-D-Rekonstruktion, die sie aktuell im Fachblatt "Scientific Reports" vorstellen.

Im Schatten der Dinosaurier

Demnach erreichte das landbewohnende Urkrokodil eine Körperlänge von fast drei Metern, lief auf den Hinterbeinen und jagte kleinere Reptilien sowie Vorfahren der Säugetiere. Für Zanno und Kollegen schließt der Fund eine Wissenslücke hinsichtlich der Verbreitung der Topprädatoren in den Ökosystemen der Obertrias: Während sich im Süden bereits theropode Dinosaurier durchzusetzen begannen, waren im Norden offenbar noch für geraume Zeit große Crocodylomorpha unter den erfolgreichsten Räubern.

Es sei schon früher klar gewesen, dass die Konkurrenz am oberen Ende der Nahrungskette allmählich zu groß wurde, schreibt Zanno. "Bisher fehlte aber der Beweis, dass frühe Vorfahren der Krokodile unter den Konkurrenten um die Spitzenplätze in Nordamerika waren", so die Forscherin. Mit dem Massenaussterben am Ende der Trias brach auch die Vielfalt unter den Spitzenräubern ein - von den Crocodylomorpha blieben nur kleine Spezies übrig. Sie standen zwar fortan im Schatten der Dinosaurier, deren Vorherrschaft fast 170 Millionen Jahren währte. Ausdauernder waren die Crocodylomorpha aber allemal, wie wir heute wissen. (David Rennert, DER STANDARD, 20.3.2015)

  • Rekonstruktion von Carnufex carolinensis, dem "Carolina-Schlächter". Das  Urkrokodil dürfte in der Obertrias frühen theropoden Dinosauriern  Konkurrenz gemacht haben.
    illu: jorge gonzales

    Rekonstruktion von Carnufex carolinensis, dem "Carolina-Schlächter". Das Urkrokodil dürfte in der Obertrias frühen theropoden Dinosauriern Konkurrenz gemacht haben.

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