Angst macht noch keinen Goldpreis

20. März 2015, 05:30
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Viele Privatinvestoren unterschätzen die Fülle an Einflussfaktoren, die auf den Goldpreis einwirken. Angst vor dem Crash ist nur einer

Wien - Es gibt wenige Möglichkeiten der Geldanlage, die für derartig viele Emotionen und Preisfantasien sorgen wie Gold, vor allem in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten. Besonders das zeitgleiche Auftreten mehrerer wirtschaftlicher Krisensymptome, wie etwa das Zusammenfallen von Banken-, Währungs- und Wirtschaftskrisen in den USA und der Eurozone in den Jahren 2011 und 2012, können dem Goldpreis Höhenflüge verleihen.

Genauso schnell kann es aber auch wieder nach unten gehen: Zwischen dem Spitzenwert von 1921 Dollar je Feinunze Gold im September 2011 und dem Schlusskurs von 1150 Dollar am 17. März 2015 liegen mittlerweile USD 771, das entspricht einem Rückgang von rund 40 Prozent. Diese Entwicklung erscheint trotz weiterhin erheblicher Eventrisiken wie die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit Griechenlands, der schwelende Konflikt zwischen der Ukraine und Russland und anhaltende militärische Konfrontationen im Nahen Osten überraschend.

Was oft übersehen wird: Nicht nur "Angstfaktoren", sondern eine Vielzahl geldpolitischer, gesamtwirtschaftlicher und fundamentaler Einflussfaktoren wirken auf den Goldpreis ein. Gold erweist sich daher als Anlageobjekt als nur sehr schwer einschätzbar und wird meist aus den falschen Motiven gehandelt.

Viele Anleger kaufen Gold, weil es historisch gesehen eine sichere Ersatzwährung darstellt. Das ist Silber aber auch. Selbst Platin und Palladium werden zunehmend für Münzprägungen herangezogen. Diese drei Edelmetalle werden zudem im größeren Stil in der Industrie verwendet.

Silber ist Gold

Man veranlagt also bei deren Kauf nicht nur in eine Währung, sondern wettet bewusst oder unbewusst auf die Nachfrage aus der Industrie. Auch Angebotsaspekte spielen hier eine wichtige Rolle. Professionelle Spekulanten schichten ihre Veranlagungen zwischen den Edelmetallen daher ständig um, je nachdem welches Charakteristikum gerade stärker gefragt ist.

Trotz der konkurrierenden Edelmetalle ist eine Investition in Gold als sichere Krisenwährung das häufigste Kaufmotiv. Als echte Absicherung taugt Gold aber nur in physischer Form, denn im Krisenfall sind elektronische Wertpapierdepots möglicherweise unbrauchbar. Selbst Bankdepots könnten dann nur erschwert zugänglich sein. Möchte man sich hingegen "nur" gegen eine Schwäche der Heimwährung, Inflationsrisiken und leichte bis mittlere Schwankungen auf den Finanzmärkten absichern, genügt hingegen eine Beifügung von Gold in ein Wertpapierdepot.

Wer hier auf Nummer sicher gehen möchte, ist mit einem physisch unterlegten Gold-Indexfonds (ETF) wahrscheinlich am besten abgesichert, da bei diesen Produkten entsprechend dem Fondsvermögen Gold bei einer zentralen Depotstelle verwahrt wird. Dieses kann im Ernstfall dann auch verwertet werden.

Das genaue Timing jeder Goldveranlagung ist aber jedenfalls essenziell, da Gold in Dollar notiert, also auch ein entsprechendes Währungsrisiko vorherrscht.

Gold ist als Absicherungsinstrument allerdings nicht kostenlos: Im Vergleich zu festverzinslichen Anlageformen (Termineinlagen, Anleihen) wirft Gold keine Zinsen ab, zudem besteht keine Aussicht auf Dividenden oder Firmenwertsteigerungen wie bei Aktien. Diese Opportunitätskosten der Goldhaltung sollten berücksichtigt werden.

Signal der Hedgefonds

Insbesondere Hedgefonds greifen in diesem Zusammenhang gerne auf Derivate zurück, da diese leicht handelbar und preisgünstig sind und zudem gehebelte Gewinne ermöglichen. Obwohl der Einfluss dieser spekulativen Aktivitäten auf den Goldpreis oftmals überschätzt wird, geht von Hedgefonds eine erhebliche Signalwirkung aus. Fundamentale Kräfte spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Auf der Nachfrageseite stand in den letzten Jahren vor allem der Bedarf der Konsumenten aus den Schwellenländern nach Goldmünzen und -schmuck im Blickpunkt des Goldabsatzes, wichtige Schwellenländer-Notenbanken haben zudem erheblichen Diversifikationsbedarf. Gleichzeitig hat sich die Angebotsseite bisher als relativ stabil erwiesen.

Allerdings lauern auch hier viele Tücken: Primärproduzenten wie Goldminen sind investitionsintensiv und stark abhängig vom Ölpreis. Abgesehen von Aspekten der Wirtschaftlichkeit ist bei Goldminen auch das politische Umfeld zu berücksichtigen, welches zum Beispiel im Fall von Südafrika häufig zu Produktionsausfällen führt. Verlässliche Zahlen zu Produktionsmengen aus China und Russland sind generell Mangelware, beide Länder zählen allerdings zu den weltgrößten Goldproduzenten.

Risiko Notenbanken

Dazu kommt das Risiko eines Goldreserveabbaus einer bedeutenderen westlichen Notenbank. Bereits die Ankündigung der vergleichsweise kleinen zypriotischen Notenbank, einen Teil ihrer Goldreserven zur verkaufen, hat vor knapp zwei Jahren für erheblichen Abwärtsdruck beim Goldpreis gesorgt.

Fazit: Der Goldpreis wird von einer Vielzahl geldpolitischer, realwirtschaftlicher und fundamentaler Faktoren beeinflusst, dazu kommen die geopolitischen Entwicklungen. In Kombination mit dem jeweiligen Stimmungsbild kommt es daher oft zu überraschenden, kurzfristig sehr dynamischen Trends beim Goldpreis, welche so schnell verschwinden, wie sie aufgetaucht sind. Prognosen haben daher oftmals nur kurzfristig Bestand. Privatanleger sollten die Entscheidung einer Goldveranlagung daher gut überlegen, das gewählte Produkt dem Kaufmotiv entsprechen. (Manuel Schuster, DER STANDARD, 20.3.2015)

  • Gold - das unbekannte Wesen. Zumindest  beim Preis des Edelmetalls sind Einschätzungen äußerst schwierig.
    foto: apa

    Gold - das unbekannte Wesen. Zumindest beim Preis des Edelmetalls sind Einschätzungen äußerst schwierig.

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