Zivilisten in Afghanistan getötet - Bewährung für polnische Soldaten

19. März 2015, 14:25
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Gericht: Keine ausreichenden Beweise für ein Kriegsverbrechen

Warschau - Vier polnische Soldaten, die sechs Zivilisten im afghanischen Dorf Nangar Khel erschossen haben, haben laut Warschauer Militärgericht kein Kriegsverbrechen begangen. Die Angeklagten hätten vielmehr einen Befehl "schlecht ausgeführt" und gegen die Bestimmungen des polnischen Militärkontingents zum Waffengebrauch verstoßen, entschieden die Militärrichter am Donnerstag in ihrem Urteil.

Die fünf Richter konnten keine ausreichenden Beweise für ein Kriegsverbrechen erkennen. "Das heißt nicht, dass kein Verbrechen begangen wurde", betonten sie. Die ehemaligen Mitglieder der NATO-Mission ISAF in Afghanistan wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Sie hatten im August 2007 das Feuer eröffnet, weil sie glaubten, von radikal-islamischen Taliban beschossen zu werden. In dem Dorf wurde - offenbar mit Freudenschüssen - eine Hochzeit gefeiert. Unter den Toten waren auch drei Kinder.

Die Staatsanwaltschaft hatte in dem Berufungsprozess Haftstrafen zwischen fünf und zwölf Jahren gefordert und wollte die Angeklagten wegen eines Kriegsverbrechens zur Rechenschaft ziehen. Die Verteidiger forderten Freisprüche, sie sprachen von einem unglücklichen Zufall. Die vier Soldaten bezeichneten sich als unschuldig.

In einem ersten Verfahren waren die zunächst sieben Angeklagten mangels Beweisen freigesprochen worden. Das Oberste Gericht Polens hatte 2012 eine Neuaufnahme des Verfahrens gegen vier der Soldaten angeordnet. (APA, 19.3.205)

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