Heimische Banken für Ukraine-Haircut gerüstet

19. März 2015, 17:35
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Ukraine-Töchter von Raiffeisen und Bank Austria wären von "Haircut" kaum betroffen

Wien - Österreichische Banken haben den Bestand an ukrainischen Staatsanleihen in den Büchern ihrer Ukraine-Töchter massiv zurückgefahren. Raiffeisen Bank International (RBI) um die Hälfte, die Bank Austria gleich um zwei Drittel. RBI, die mit der Bank Aval in der Ukraine engagiert ist, hält mit Ende 2014 noch 242 Millionen Euro im Nostro, ein Jahr zuvor waren es noch etwa 500 Millionen. Die Bank Austria hat ihre Ausstände von 214 Millionen Euro auf 76 Millionen geschrumpft. Das gaben die Institute auf Nachfrage des STANDARD bekannt.

Der Internationale Währungsfonds verlangt im Ausgleich für Hilfszahlungen an die Ukraine ja Verhandlungen über einen Schuldenschnitt von in ausländischen Währungen notierenden Staatsanleihen. Die ukrainische Währung hat zuletzt stark an Wert verloren. Das macht die Rückzahlung dieser Anleihen für die Ukraine besonders teuer.

Das Brisante: Sowohl Raiffeisen als auch Bank Austria verfügen für ihre Töchter über Haftungen der Republik Österreich, die über die Oesterreichische Kontrollbank (OeKB) abgewickelt werden. Die Beteiligungen sind aber nur gegen politische, nicht gegen wirtschaftliche Risiken versichert. Die OeKB würde bei einem Schuldenschnitt nur dann haften, wenn die weitere Geschäftstätigkeit der Töchter, quasi deren Überleben, davon abhängig sei, sagte OeKB-Chef Rudolf Scholten am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten.

Bei der RBI heißt es, es wäre nur ein kleiner Teil der Anleihen von einem möglichen Schuldenschnitt betroffen, die Haftung der Republik werde nicht schlagend. Die Bank Austria will sich über die Haftung erst Gedanken machen, wenn der Schuldenschnitt da sei. Wie viele Anleihen betroffen wären, will man nicht sagen. Dem Vernehmen nach ist es aber auch nur ein kleiner Anteil.

Haftungen für Russland

Die Kontrollbank versichert nicht nur Beteiligungen von Unternehmen, sondern auch Exporte. Damit sich die Kärntner Springer Maschinenfabrik AG in Russland etwa nicht ihre Finger verbrennt, hat sie eine Versicherung bei der OeKB abgeschlossen.

In Amursk, einer Kleinstadt im äußersten Osten Russlands, fast schon in Japan, liefert das Unternehmen Ausrüstung für ein Sägewerk einer russischen Firma. Ein Auftrag in dreistelliger Millionenhöhe, sagt Timo Springer, Geschäftsführer des Unternehmens, zum STANDARD. Zahlen die russischen Geschäftspartner nicht, refundiert die OeKB das investierte Geld. "Seit den 1970ern exportieren wir schon nach Russland", sagt Springer.

Die Kärntner sind nicht die Einzigen, die trotz der schwierigen Wirtschaftslage in Russland Geschäfte machen. Russische Aufträge mit einem Volumen von über 442 Millionen Euro hat die OeKB im Vorjahr versichert, ein Anstieg um knapp 60 Prozent gegenüber 2013. "Wir versuchen schwierige Märkte für Exporteure, die dort schon länger tätig sind, möglichst lange offen zu halten", sagt der OeKB-Chef.

Die Ostukraine ist dem Institut aber zu heiß geworden. Es gebe zwar noch ausstehende Versicherungen, sagt Scholten, neue würden aber nicht mehr vergeben werden. In Summe hat die OeKB im Vorjahr Exporthaftungen im Volumen von 3,8 Milliarden Euro übernommen. Das sind gut neun Prozent mehr als im Jahr davor. Knapp 128 Milliarden Euro sind damit nun gesamt ausständig. Die Haftungen für Exporte und Beteiligungen in Russland sanken per Ende 2014 von 3,3 auf 3,1 Milliarden Euro. (Andreas Sator, DER STANDARD, 20.3.2015)

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