Liebe geht durch die Gehirnwindungen

30. März 2015, 12:57
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Was passiert in unserem Denkapparat, wenn die Frühlingsgefühle zuschlagen? Eine Studie aus China hat erforscht, wie es im Kopf von Verliebten aussieht

Anhui/New York – "Ein anregender Zustand, verbunden mit dem Wunsch, eine enge Beziehung zu einer Person zu erhalten oder aufzubauen" - In der Liste der poetischsten Umschreibungen für Liebe steht die Psychologie ganz weit unten. Die Forschung macht das Gefühl ganz pragmatisch an der Aktivität unserer Nervenzellen fest. 100 Studenten der Southwest University in China, darunter ein Drittel Verliebte, legten sich dafür unter den Gehirnscanner. Die Studie wurde in "Frontiers in Human Neuroscience" publiziert.

Zwischen Euphorie und Realitätsverzerrung

Die bisherige Forschung zeigt, dass Liebe als psychologisches Phänomen vor allem eines ist: komplex. In der Studie nennen Wissenschafter Euphorie, Verlangen, Leidenschaft, aber auch Zwang, Verzerrung der Realität, emotionale Abhängigkeit, Persönlichkeitsveränderungen und gesteigerte Risikobereitschaft als Symptome des Verliebtseins. Beim Betrachten von Bildern der geliebten Personen zeigen Probanden beispielsweise Änderungen im mesolymbischen System, das in der Regulierung von Emotionen und beim Suchtverhalten eine Rolle spielen soll.

Das Forscherteam aus China und den USA wollte nun an Studenten nachweisen, dass die Verliebtheit nicht nur bei einer Aktivität, sondern auch im Ruhezustand unser Gehirn beeinflusst. Ein Fragebogen teilte die Versuchspersonen in drei Gruppen: Die erste Kategorie bezeichnete sich selbst als Verliebte, die zweite Kategorie umfasste Personen, die eine Beziehung hinter sich hatten, aber nichts mehr für den Ex-Partner empfanden und in der "Single"-Gruppe befanden sich all jene, die nach eigener Angabe noch nie verliebt waren. Mit einem resting-state fMRI beobachteten die Forscher die Interaktionen verschiedener Hirnareale, während der Proband möglichst entspannt und mit geschlossenen Augen unter dem Scanner lag.

Lange Liebe , wachsender Wandel

Die Studie fand bei den Verliebten eine erhöhte Aktivität in den Arealen, die mit Belohnung, Motivation, der Regulierung unserer Gefühle und sozialem Verhalten assoziierten werden. Auch die Dauer der Zuneigung machte sich im fMRI bemerkbar. Je länger die Empfindungen der Probanden bereits andauerten, umso stärker unterschied sich die funktionale Architektur des Denkapparats von derer der Nicht-Verliebten. Umgekehrt zeigte die Gruppe der verflossenen Liebe immer weniger Aktivität in diesen Bereichen, je weiter die Trennung in der Vergangenheit lag.

Die Kognitionsforschung stößt bei der genaueren Betrachtung der Liebe aber noch an Grenzen: Die Scans können sagen, dass bestimmte Areale beteiligt sind, aber nicht, was in den Nervenzellen genau vor sich geht. Damit bleibt bei den Frühlingsgefühlen vorerst noch Raum für blumigere Erklärungsversuche. (red, derStandard.at, 30.3.2015)

  • Je länger der Zustand der Verliebtheit anhält, umso mehr beeinflusst er die Struktur und die Aktivität in bestimmten Gehirnarealen.
    foto: dpa-zentralbild/britta pedersen

    Je länger der Zustand der Verliebtheit anhält, umso mehr beeinflusst er die Struktur und die Aktivität in bestimmten Gehirnarealen.

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