IS-Miliz bekennt sich zu Terror in Tunis

19. März 2015, 22:14
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Mindestens zwei der Museumsattentäter hatten bereits im Ausland für den "Islamischen Staat " gekämpft. Sie standen auch unter Polizeibeobachtung

Tunis/Madrid – Bei ihrem Angriff auf das tunesische Nationalmuseum Bardo hatten die Attentäter nach Angaben von Präsident Beji Caid Essebsi auch Sprengstoff bei sich. Sie hätten jedoch "nicht die Zeit gehabt", die Bomben zu zünden, sagte er am Donnerstagabend dem französischen Sender TF1. Die Sicherheitskräfte hätten "eine Katastrophe verhindert".

23 Menschen (20 Touristen, ein Busfahrer, eine Museumsangestellte sowie ein Polizist) fielen den Kugeln der Attentäter zum Opfer. 44 Menschen (34 Ausländer, zehn Tunesier) wurden teilweise schwer verletzt. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannte sich zur Tat.

Unter den toten Touristen befinden sich laut der Regierung Japaner, Spanier, Franzosen, ein Kolumbianer, ein Pole, ein Australier, eine Britin, eine Belgierin und eine Italienerin. Zunächst hatte die Regierung auch ein Opfer aus Deutschland gemeldet. Davon war später nicht mehr die Rede. Zwei Täter wurden bei der Erstürmung des Museums durch die Polizei erschossen, einer verhaftet. Neun weitere Verdächtige wurden am Donnerstag festgenommen.

Bei den beiden toten Attentätern handelt es sich um Yassine Laabidi Hatem Khachnaoui (34) aus Tunis und um einen Komplizen (21) aus der Nähe von Kasserine im Landesinneren. Beide sollen erst im Dezember nach Ausbildung in Libyen und Kampfeinsätzen in Syrien für die IS zurückgekehrt sein. Premier Habib Essid musste zugeben, dass Laabidi von der Polizei beobachtet wurde.

Es war am Mittwoch um die Mittagszeit, als die Angreifer das Feuer gegen eine Gruppe von Museumsbesuchern eröffneten. Ob sie ursprünglich das benachbarte Parlament angreifen wollten, wo ein Antiterrorgesetz debattiert wurde, blieb vorerst unklar.

Ein Reiseführer beschrieb einen "25-jährigen Mann, normal gekleidet, ohne Bart", der plötzlich auftauchte "und das Feuer eröffnete". Zusammen mit mindestens einem Komplizen stürmte er das Museum. "Sie schossen auf alles, was sich bewegte", sagte ein Spanier, der – wie viele Opfer – im Rahmen einer Kreuzfahrt in Tunis war.

"Diese barbarische Minderheitengruppe wird uns nicht ängstigen, und der Kampf gegen sie wird andauern, bis sie vernichtet ist", erklärte Präsident Essebsi. Rachid Ghannouchi, Chef der islamistischen Ennahda, zweitstärkste Kraft im Parlament, verurteilte den "Anschlag auf die junge tunesische Demokratie".

Auf dem Boulevard Habib Bourguiba gingen Mittwochabend spontan Tausende auf die Straße. Sie sangen immer wieder die Nationalhymne – wie 2011 in den Tagen vor dem Sturz von Diktator Zine el-Abidine Ben Ali.

Am Donnerstag versammelten sich abermals Tausende zu einer Schweigekundgebung, zu der ein großes Bündnis aus 30 Parteien, Gewerkschaften und Organisation aufgerufen hatte. (Reiner Wandler, DER STANDARD, 20.3.2015)

  • Tunesier gedenken den Todesopfern des Anschlags am Mittwochabend in Tunis.
    foto: ap photo/adel mhamdi

    Tunesier gedenken den Todesopfern des Anschlags am Mittwochabend in Tunis.

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    foto: apa
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