Eine Galaxie voller Leben?

18. März 2015, 18:22
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Sind lebensfreundliche Welten eine Ausnahme oder doch die Regel? Dänische Forscher kamen mit einer 230 Jahre alten Formel zu einem äußerst optimistischen Ergebnis

Kopenhagen/Wien - Unsere Milchstraße ist voller fremder Welten, doch das weiß man noch nicht allzu lange. Erst vor 20 Jahren haben zwei Astronomen von der Universität Genf die Entdeckung des ersten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems um einen Hauptreihenstern verkündet. Seither hat sich auf diesem Gebiet erfreulich viel getan: Nicht zuletzt dank technischer Fortschritte - allem voran das Weltraumteleskop Kepler der Nasa - kennt man heute 1901 Exoplaneten in fast 1200 Systemen. Über 4000 weitere Kandidaten warten noch auf ihre Bestätigung.

Für Leben geeignete Welten

Die alles entscheidende Frage lautet natürlich: Wie viele davon bieten möglicherweise Bedingungen, die für Leben, wie wir es kennen, geeignet sind? Entsprechende Studien der vergangenen Jahre zeichnen ein durchaus optimistisches Bild: Eine statistische Analyse von Kepler-Daten kommt 2013 zu dem Schluss, dass rund 22 Prozent aller sonnenähnlichen Sterne über Welten in ihren habitablen Zonen verfügen, wo also Wasser in flüssiger Form existieren könnte.

Ein Forscherteam um Steffen Kjaer Jacobson von der Universität Kopenhagen hat nun in den "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society" eine andere, originelle Methode vorgestellt, um diese Frage zu beantworten. Es griff dabei auf eine 230 Jahre alte Formel zurück, die zudem heute immer noch umstritten ist: Das 1772 erdachte Titius-Bode-Gesetz besagt, dass die Abstände der Planeten in einem System in einem bestimmten Verhältnis zueinander stehen.

Optimistisches Zahlenspiel

Dass die rein mathematische Zahlenreihe, für die es bislang keine belegte physikalische Erklärung gibt, nicht nur in unserem Sonnensystem gilt, haben schon frühere Untersuchungen bewiesen. Jacobsons Team ging einen Schritt weiter. "Wir überprüften die Formel an 151 Planetensystemen, bei denen Kepler bereits drei bis sechs Exoplaneten entdeckt hatte", erklärt der Forscher. Bei 124 dieser Systeme ließ sich die Formel tatsächlich erfolgreich bestätigen.

Als Nächstes errechneten die Astronomen, wo in diesen Systemen gemäß der Titius-Bode-Reihe noch unentdeckte Exoplaneten zu erwarten wären und wie viele davon in den jeweiligen habitablen Zonen kreisen würden. Das Ergebnis wirkt vielversprechend: Praktisch jedes Sternensystem sollte demnach über mindestens einen potenziell lebensfreundlichen Exoplaneten verfügen - das wären mehrere Milliarden in der gesamten Milchstraße.

Wie viel Realität in derartigen Zahlenspielereien steckt, lässt sich freilich nur mit künftigen Beobachtungen ermessen. Einen wesentlichen Schritt vorwärts wird dabei wohl das James Webb Space Telescope bringen. Bis dieses aber fremde Welten ins Visier nehmen kann, müssen wir uns noch bis mindestens 2018 gedulden. (Thomas Bergmayr, DER STANDARD, 19.3.2015)

  • Wo die habitable Zone (grün) liegt, hängt von der Größe und der Temperatur des jeweiligen Sterns ab.
    illu.: nasa, kepler

    Wo die habitable Zone (grün) liegt, hängt von der Größe und der Temperatur des jeweiligen Sterns ab.

  • Im Fall dieses Roten Zwergs ist der lebensfreundliche Gürtel schmal und nahe am Stern, was andere Probleme aufwirft, etwa die erhöhte Gefahr durch stellare Eruptionen.
    illu.: eso

    Im Fall dieses Roten Zwergs ist der lebensfreundliche Gürtel schmal und nahe am Stern, was andere Probleme aufwirft, etwa die erhöhte Gefahr durch stellare Eruptionen.

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