Mikael Nyqvist in "100 Code": "Wir Schweden fragen uns, ob Gott existiert"

19. März 2015, 06:43
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In der zwölfteiligen Sky-Serie spielt Nyqvist einen schwedischen Polizisten, der es mit US-Kollege Dominic Monaghan zu tun bekommt

Wien - Es beginnt mit unorganisiertem Erbrechen. Brisant ist aber nicht der Mageninhalt, der in einem Mistkübel am Stockholmer Flughafen landet, sondern eine Mordserie, die der New Yorker Polizist Thomas Canley, gespielt von "Lost"-Star Dominic Monaghan, im Gepäck hat, als er in Schweden ankommt.

Über einen Zeitraum von 16 Monaten werden in New York auf bestialische Weise junge blonde Frauen umgebracht. Der Ritualmörder vergräbt die Leichen in einem Feld mit Junkerlilien. Ein Todesfall in Schweden führt Canley schließlich nach Stockholm, wo er auf Mikael Eklund (Mikael Nyqvist) trifft - einen grantelnden Polizisten, der seinen Dienst quittieren möchte, aber gegen seinen Willen die Mordserie als letzten Fall aufs Auge gedrückt bekommt.

Ein kongeniales Duo ließ bereits HBO in "True Detective" ermitteln, Sky würzt "100 Code" noch mit kulturellen Unterschieden. "Amerikaner sind lauter, vulgärerer, brutaler", sagt Nyqvist: "Wir Schweden leben mit der Angst, schauen aus dem Fenster und fragen uns, ob Gott existiert." Kein Wunder also, dass bei so viel Sinnieren über Existenzielles Skandinavien als mysteriöser Hort des Bösen inszeniert wird - zu bewundern in Serien wie "Die Brücke" oder "Kommissarin Lund - Das Verbrechen".

Parallelen und Angst

Den eher introvertierten Eklund, der nach dem Tod seiner Frau mit seiner Tochter alleine lebt, verkörpert Nyqvist als sein Alter Ego. "Ich wollte ihn nicht müde zeigen, sondern wütend", verrät er dem STANDARD: "Er hat Angst vor sich selbst."

100 Code basiert auf dem Roman Merrick des irischen Autors Ken Bruens. Ein Buch, das Nyqvist vor dem Dreh nicht lesen wollte: Seine Persönlichkeit sollte sich in der Rolle widerspiegeln. Parallelen gebe es beruflich - "oft unterwegs" - und privat: "Auch ich habe viele Geburtstage meiner Kinder versäumt", sagt der zweifache Vater: "Das ist eine Schuld, die man mitschleppt."

"100 Code" ist die erste koproduzierte Serie von Sky Deutschland. Erfolg erhofft sich der Pay-TV-Sender vor allem in den USA, um den Rückstand auf Konkurrenten wie HBO (Game of Thrones) zu verringern. Drehbuch und Regie kommen von Oscar-Gewinner Bobby Moresco ("L.A. Crash").

Als Schauspieler ist Nyqvist schon lange im Geschäft. Obwohl er als Polizist prädestiniert scheint, lässt sich der 54-Jährige nicht auf ein Genre reduzieren. Neben Komödien wie "Zusammen!" (2000), dem Musikdrama "Wie im Himmel" spielte er in "Wallander"-Verfilmungen und in Stieg Larssons "Millenium"-Triologie. Im vierten Teil von "Mission Impossible" gab er Tom Cruises Widersacher.

Kein Unterhalter

"Unterhalten ist nicht mein Ding", sagt Nyqvist, "meine Arbeit soll bei Leuten Fragen aufwerfen." Arbeiten möchte er dort, "wo es gute Drehbücher gibt". Zum Beispiel in Hollywood oder in Frankreich, wo er kürzlich Sehnsucht nach Paris mit Isabelle Huppert drehte. Ein harter Job, schmunzelt er: "Am Set wurde ständig geredet. Ich habe oft flüchten müssen." (Oliver Mark, DER STANDARD, 19.3.2015)

"100 Code" ist ab 19. März um 21 Uhr auf Sky Atlantic zu sehen und über Sky Go, Sky Online und Sky Anytime abrufbar. Die Episoden stehen wahlweise in der Originalfassung oder in der deutschen Synchronisation zur Verfügung.

  • "Millenium"-Star Mikael Nyqvist (links) heftet sich in Schweden mit Dominic Monaghan auf die Spuren eines Ritualmörders. Sky Atlantic zeigt "100 Code" ab Donnerstag.
    foto: red arrow international

    "Millenium"-Star Mikael Nyqvist (links) heftet sich in Schweden mit Dominic Monaghan auf die Spuren eines Ritualmörders. Sky Atlantic zeigt "100 Code" ab Donnerstag.

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