Landesrätin Kaufmann-Bruckberger: Flexibel, aber mit Sitzfleisch

Kopf des Tages18. März 2015, 18:01
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Landesrätin Elisabeth Kaufmann-Bruckberger erhielt nach Geständnis in Causa Seenkauf mehrere Rücktrittsaufforderungen

St. Pölten / Wien - In ihrer aktuellen Funktion als niederösterreichische Landesrätin für Baurecht, Veranstaltungen und Asyl übt sich Elisabeth Kaufmann-Bruckberger im täglichen Themenspagat. So fallen Vermessungsfragen genauso in die Zuständigkeiten des Team-Niederösterreich-Mitglieds wie die Quartiersuche für Flüchtlinge oder Tanzschulangelegenheiten.

Nicht nur thematisch, auch parteipolitisch hat die 44-Jährige mehrmals Flexibilität bewiesen: Kaufmann-Bruckberger war Mitglied der FPÖ, des BZÖ und des Teams Stronach. Aus Letzterem wurde sie im November 2013 ausgeschlossen. Man warf ihr "fragwürdige Geschäfte zulasten der Landespartei" vor. Kaufmann-Bruckberger gründete mit vier weiteren Funktionären das Team Niederösterreich, das seither mit den Ex-Parteikollegen des Geldes wegen im Clinch liegt.

Ein schöne Stange Geld ist es auch, aufgrund deren sich die gelernte Hotelfachfrau jetzt österreichweit in den Schlagzeilen findet. So bestätigte ihr Anwalt ein Geständnis in der Causa Seenkauf: Kaufmann-Bruckberger habe zugegeben, 2007 bei einem Immobiliendeal zwischen Kärnten und ÖGB bzw. Bawag über 700.000 Euro bekommen und an das BZÖ weitergeleitet zu haben - "gegen ein kleines Salär". Damals war sie Inhaberin einer Werbeagentur. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Büroleiter schließt Rücktritt aus

Am Mittwoch forderten FPÖ, Grüne und Team Stronach in Niederösterreich ihren sofortigen Rücktritt. Ihr Büroleiter Hermann Priller richtete aus, dass sie bleibe.

Die geschiedene Mutter zweier Söhne bewies in ihrer politischen Laufbahn schon mehrmals Sitzfleisch: Die Absolventin der Hotelfachschule Modul in Wien wurde 1999 für die FPÖ Gemeinderätin in Gumpoldskirchen, wo ihre Familie seit Generationen verwurzelt ist und einen Heurigen betreibt. Zweimal fungierte sie dann drei Jahre lang als Bezirksobmann-Stellvertreterin der FP Mödling. 2005 wechselte sie zum BZÖ. 2008 war sie als Listensiebente für den Nationalrat vorgesehen. 2009 wurde sie Ewald Stadlers Landesobmann-Stellvertreterin in Niederösterreich. Als Stadler ins Europäische Parlament wechselte, rückte sie in den Nationalrat vor.

Frank Stronach habe ihre Arbeit dort gefallen, sagte Kaufmann-Bruckberger einmal auf die Frage, warum er sie 2012 abwarb. Nach der Landtagswahl in Niederösterreich 2013 überantwortete er ihr den einzigen seinem Team zustehenden Sitz in der Landesregierung. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 19.3.2015)

  • Elisabeth Kaufmann-Bruckberger bei ihrer ersten Sitzung als niederösterreichische Landesrätin. In dieser Funktion will sie trotz Rücktrittsaufforderungen bleiben.
    foto: apa/pfarrhofer

    Elisabeth Kaufmann-Bruckberger bei ihrer ersten Sitzung als niederösterreichische Landesrätin. In dieser Funktion will sie trotz Rücktrittsaufforderungen bleiben.

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